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Jahresausblick 2013
Risikohinweis
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08.08.2015

 

Öl, Kupfer und der Dow Jones Transportation Index auf neuen lows... der Weltkonjunktur scheint es nicht sonderlich gut zu gehen.

 

Also neue Gelddruckaktionen? Eine ZInserhöhung im Herbst in den USA ist jedenfalls eine Schimäre.

 

 

http://www.titanic-magazin.de/news/endlich-das-offizielle-vorabend-fernseh-trinkspiel-5619/

 

 

 

 

 

 

14.06.2015

 

Zum griechischen Aktienmarkt hätte Andre Kostolany wohl seinen alten Spruch wieder hervorgekramt:

 

 "Der Unterschied zwischen fast pleite und pleite ist kleiner als zwischen fast pleite und saniert". 

 

 

 

27.03.2015

 


Grundsätzliches über den Aktienmarkt

 

Der Aktienmarkt dient in erster Linie der Kapitalbeschaffung der Unternehmen. Unternehmenseigentümer können sich bei einem Börsengang ihres Unternehmens durch den Verkauf von Anteilsscheinen Geld beschaffen. Investoren und Spekulanten können sich hierbei durch den Kauf dieser Aktien am zukünftigen Unternehmenserfolg beteiligen. Die Unternehmensgründer können beispielsweise die Hälfte ihrer Unternehmung verkaufen, um zinsloses Eigenkapital zur weiteren Firmenexpansion zu erhalten, wenn sie das Geld im Unternehmen belassen. Nun gehört ihnen zwar nur noch das halbe Unternehmen, doch besitzt dieses jetzt eine gut gefüllte Unternehmenskasse, die für unternehmerische Zwecke genutzt werden kann. Neue, produktivere Maschinen können gekauft werden, eine zusätzliche Halle kann gebaut werden, mehr Marketing kann betrieben werden.

Mit diesem Erstverkauf der Anteilsscheine durch die mit dem Börsengang beauftragten Banken an die Investoren sind die Aktien nun an einem organisierten Markt, der Börse, handelbar. Gäbe es den Börsenhandel nicht, bei dem die Wertpapiere täglich wieder veräußert werden können, würde sich wohl niemand an Neuemissionen beteiligen.

Die Unternehmenskasse wird fortan nicht mehr tangiert, es wechseln einzig die bereits herausgegebenen Papiere den Besitzer. Ein Käufer kann sich also nicht wie in einem Laden bedienen, es muss ein Kontrahent vorhanden sein, der ihm die Aktien verkauft. Ein Architekt aus München empfindet den aktuellen Kurs als zu hoch und verkauft, ein Student aus Hamburg traut dem Unternehmen langfristig noch viel zu und kauft dessen Papiere. Ein arbeitslos gewordener webdesigner aus Berlin braucht Geld und verkauft seinen Bestand, ein Erbe aus Frankfurt möchte Geld anlegen und kauft diesen. Ohne einander zu kennen wechseln die Papiere anonym die Hände. Eine Clearingstelle sorgt für die Verbuchung der Wertpapiere und die Verrechnung der Geldbeträge zwischen den beiden Parteien.

Sind die Aktien einmal eingeführt, richtet sich die Börsentendenz nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Die Verschiedenheit in der Auffassung über die zukünftige Kursentwicklung führt zu Käufen beziehungsweise Verkäufen. Ohne diese unterschiedlichen Erwartungshaltungen käme es zu keinem Börsenumsatz. Einem Kauf muß immer ein Verkauf gegenüberstehen. Millionen von Menschen stimmen somit weltweit börsentäglich mit ihrem Geld ab, was ihrer Meinung nach der faire Wert eines Papiers ist. Genauer: Sie versuchen zu erraten, was ihrer Meinung nach die anderen Marktteilnehmer in Zukunft als einen fairen Preis ansehen werden. Schließlich kauft man eine Aktie in der Hoffnung, dass andere Marktteilnehmer sie einem anschließend teuerer wieder abkaufen. Man kauft, um zu verkaufen. Letztlich kommt es darauf an, diejenigen Faktoren zu beurteilen, die zukünftig Einfluß auf die Angebots- beziehungsweise Nachfrageseite haben werden. Exakt ist dies nicht möglich. Viele Börsennovizen glauben dies zwar, werden Aktienkurse doch in Zahlen ausgedrückt. Auch suggerieren Börsenbriefe dies, indem sie Kursziele mit mathematischen Formeln bis zur zweiten Stelle hinter dem Komma ausrechnen. Börse ist aber keine Mathematik, und alles, was über die Grundrechenarten hinausgeht, kann man getrost als pseudowissenschaftliches Gehabe abtun. Zu unterschiedlich sind die Motivationen und Zwänge, die hinter Aktiendispositionen stehen.

 

Die Zukunft zählt

Börsengewinne werden nicht durch einen Blick in den Rückspiegel gemacht, der Anleger lebt von der Zukunft. Sicherlich ist es ratsam, die Fakten der Vergangenheit zu kennen, um abschätzen zu können, wie sich die die Börse in der Vergangenheit bei ähnlichen Verhältnissen entwickelt hat. Dennoch sollte man wissen, dass keine Situation vollkommen identisch ist. Selbst wenn sie es wäre, wäre dies kein Garant dafür, das die Börse sich auch dieses Mal analog verhalten würde. Marktreaktionen aus der Vergangenheit auf bestimmte Ereignisse sind nicht zwangsläufig eins zu eins übertragbar. Es zählt einzig die Zukunft. Um diese abschätzen zu können, ist ein breites Wissen in vielfältigen Disziplinen vonnöten.

 

Welche Kenntnisse sind nötig?

Volkswirtschaftliche Kenntnisse

Die Gesamtsituation der Wirtschaft, der Zinslandschaft, des Devisenmarktes und auch der Politik ist in ihren Wechselbeziehungen im Auge zu behalten.

 

Betriebswirtschaftliche Kenntnisse

Betriebswirtschaftliche Belange der Unternehmen können im Zeitalter des Internets schnell in Erfahrung gebracht werden, sind die Geschäftsberichte doch nur ein paar Mausklicks entfernt. Bilanzkenntnisse sind hier natürlich hilfreich, aber auch ohne tieferes Verständnis der Materie ist ein Blick in den aktuellen Geschäftsbericht aufschlussreich. Man sollte es hier aber nicht übertreiben, und selbst Profis haben heutzutage ihre liebe Mühe, die einzelnen Bilanzposten zu dechiffrieren. Ein Blick auf die Eigenkapitalausstattung ist dennoch essentiell. Immaterielle Vermögensgegenstände, also zum Beispiel der goodwill aus einer Firmenübernahme oder eine selbst erstellte Software, können im Zweifelsfalle weit weniger wert sein als angegeben. Die langfristigen Schulden sollten gemäß der goldenen Bilanzregel stets langfristig finanziert sein, und in der Firmenkasse sollten ausreichend liquide Mittel vorhanden sein, um eine vorübergehende Flaute im Geschäft überleben zu können.

 

Psychologische Kenntnisse

Psychologische Kenntnisse sind ebenfalls nützlich, gilt es an der Börse doch zu erraten, wie die Anderen reagieren. Die Hausse nährt die Hausse, heißt es zum Beispiel, was bedeutet, dass die Kurse steigen, weil das Publikum glaubt, dass sie weiter steigen. Die steigenden Kurse sorgen für Optimismus, und dieser Optimismus sorgt für weiter steigende Kurse. Andersherum sind Aktien beispielsweise dann billig, wenn sie niemand besitzen will, wenn die Mehrheit sie als zu riskant ansieht. Wenn es also so aussieht, als ginge die Welt unter, wird der erfahrene Börsianer eher Käufe tätigen. Geht sie unter, spielt es ohnehin keine Rolle mehr, welche assets man besitzt. Geht sie nicht unter, hat man extrem günstig gekauft. Die alte Kaufmannsregel, nach der der Gewinn liegt im Einkauf liegt, gilt auch an der Börse.


Börsenerfahrung

Über allem steht aber die in der Praxis gemachte Erfahrung, der gesunde Menschenverstand, Fingerspitzengefühl und eine gewisse Intuition.  

Sicherlich kann es nicht schaden, sich soviel in das Thema einzulesen, wie es nur geht. Erfahrungen jedoch kann man sich nicht anlesen. Auch Trockenübungen auf dem Papier oder Börsenspiele bringen nichts, haben sie doch mit der Realität nichts zu tun. Nichts brennt sich stärker in das Gehirn ein, als die Schmerzen eines größeren Verlustgeschäfts. Das Börsenspiel lässt man auslaufen, die Trockenübungen auf dem Papierzettel knüllt man zusammen und wirft sie weg. Die real erlittenen Verluste der mühsam erarbeiteten Ersparnisse rauben einem hingegen kurzfristig jegliches Selbstbewusstsein und man fühlt sich wie der einsamste Mensch der Welt.

Der erfahrene Börsianer weiß, dass Verluste dazu gehören. Dennoch ist auch er gut beraten, nach einem Verlustgeschäft oder spätestens nach einer Serie von Verlustgeschäften die Füße erst einmal still zu halten und keine weiteren Transaktionen zu starten. Wie bei einem Auto, das den Rückwärtsgang eingelegt hat, muß auch er erst einmal wieder in den Leerlauf schalten, um zum Stehen zu kommen. Erst danach kann die Fahrt nach vorne fortgesetzt werden. Auch wer einmal Fussball gespielt hat, weiß dies. Nachdem man einige Risikopässe in die Spitze gespielt hat, die allesamt nicht angekommen sind, empfielt es sich, zunächst einmal den einfachen Pass über drei Meter zum Nebenmann zu spielen, um erst einmal wieder Sicherheit in seinen Aktionen zu erlangen. Nach einer gewissen Zeit kann man dann wieder mehr riskieren.

Den vermutlich treffendsten Vergleich bezüglich Börsenerfahrung lieferte der Altmeister Andre Kostolany, der meinte, in einem dunkelen Raum werde sich wohl derjenige besser zurechtfinden, der sich schon Jahrzehnte in diesem Zimmer aufhält, als derjenige, der neu hereingetreten ist. Jeder Börsenteilnehmer tappt im Dunkeln, aber der Erfahrene wird sich eher seinen Weg verletzungsfrei bahnen können. Ob es nun gleich Jahrzehnte Erfahrung sein müssen sei einmal dahingestellt, aber der Faktor Zeit spielt natürlich schon eine große Rolle. Tendiert die Börse beispielsweise fünf Jahre einzig nach oben, so ist man Profiteur einer Hausse. Man wird mit nach oben gespült, großartige Fehler kann man gar nicht machen. In einem langfristigen Aufwärtstrend scheinen sich alle Anlagetechniken zu bewähren. Selbst wenn man den Fehler macht und sein Geld in kursmäßig zurückgebliebene Aktien steckt, wird man keine großen Verluste zu beklagen haben. In diesem Fall hätte man zwar fünf Jahre am Börsenspiel teilgenommen, doch man hätte noch keinerlei Kenntnisse, wie man sich in einer Baisseperiode zu verhalten hat. Diese ist nämlich viel aufschlussreicher, versagen Anfänger hier doch für gewöhnlich. Sie versuchen, die wenigen Werte ausfindig zu machen, die von dem generellen Kursabschwung an der Börse nicht erfasst werden. Dabei ist eine Aktienanalyse in Baissezeiten reine Zeitverschwendung. Wenn die Titanic sinkt, ist es egal, an welchen Tisch man sich setzt, man geht unter.

Die Baisse ist in brutaler Art gleichmacherisch. Unterscheidungen zwischen Aktien guter Qualität und Schrottwerten finden kaum statt. Es mag zwar sein, dass zunächst die Hochrisikopapiere abgestoßen werden, also Papiere zyklischer Unternehmen mit schwacher Bilanz. Der in solchen Zeiten weit verbreitete Rat von sogenannten Experten, nun auf defensive, bilanzstarke Werte zu setzen, greift aber bei weitem zu kurz. Auch diese Werte werden sich der grundsätzlichen Börsentendenz am Ende nicht widersetzen können. In einem abwärtsgerichteten Markt, einem bear market, empfiehlt es sich, bearish zu sein. The trend is your friend, heißt eine der meistzitierten, richtigen Börsenregeln. Das Aufspüren der generellen zukünftigen Börsenentwicklung ist das alles Entscheidende. Es nützt nichts, wenn man nach Analyse eines Unternehmens zu dem Schluß kommt, dass dieses zum aktuellen Börsenkurs unterbewertet ist, wenn der Markt als Ganzes nicht in die erforderliche Richtung tendiert. In vielen Fällen kommt es am Ende einer Abwärtsbewegung zu einem richtigen Ausverkauf, und in einer Panik werden Aktien aller Gütekategorien auf den Markt geworfen. Die als günstig analysierten Papiere werden plötzlich sehr günstig und schließlich sogar spottbillig. Dumm nur, wenn man sein Pulver aber schon frühzeitig verschossen hat und nun kein Geld für Käufe mehr zur Verfügung steht. Flexibel zu sein ist das Wichtigste. Man muss auch mal den Mut haben, den Aktienmarkt gänzlich eine Zeit lang zu verlassen, wenn das Chance – Risiko – Verhältnis einfach nicht stimmt. Das Vermeiden von Verlusten ist mindestens ebenso wichtig wie das Einfahren von Gewinnen. Irrt man, indem man nicht im Markt ist und der Markt steigt, verliert man immerhin kein Geld, auch wenn man keins hinzugewinnt. Irrt man hingegen, indem man am Markt investiert ist und der Markt bricht ein, geht es an die Substanz.

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=EEpg12548jM

 

 

 

 

29.12.2014

 

Warum selbständiges Agieren bei der Aktienanlage so wichtig ist (3)

 

Ein gewöhnlicher Fonds hat üblicherweise in einem Haussemarkt einen relativ stetigen Geldzufluß der Kundschaft, der angelegt werden muss. Kauft der Fonds nun in seinen Favoriten zu, steigen die Kurse durch die eigene Nachfrage weiter an, und so zieht sich der Fonds zu einem gewissen Grad an seinen eigenen Haaren hoch.

Steigende Kurse wiederum haben noch immer neue Anlagegelder an die Börse gelockt, und so geht das Spiel in die nächste Runde. Als krassestes Beispiel seien hier die Exzesse um den Neuen Markt um die Jahrtausendwende angeführt. Selbst wenn Fondsmanager also ahnen, dass Teile eines Marktes oder der Gesamtmarkt insgesamt völlig überbewertet und überhitzt sind, kommen sie manchmal nicht umhin, weitere Aktien zu kaufen, sofern die Kunden den Fonds mit frischen Anlagegeldern zuschütten. Solcherlei Liquiditätszuflüsse zwingen die Fondsmanager zu Käufen. Am Neuen Markt führten genau solche Zwänge zu den beispiellosen Kurssteigerungen, die dann wiederum noch mehr Zockergeld anlockten, konnte man doch vermeintlich anstrengungslos fetteste Gewinne einfahren.

Es wird also erneut klar, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist, Aktien dann zu verkaufen, wenn diese vermeintlich fair bewertet sind. Immer neue an die Börse strömende Kundengelder können zu völlig überzogenen Kurssteigerungen und Bewertungen führen, so dass es rational ist, auch diese Bewegungen mitzunehmen. Es gilt zu erkennen, was die Anderen denken und wie die Anderen vermutlich in der Zukunft handeln werden, und wie sich deren Transaktionen auf die Angebots- beziehungsweise Nachfragesituation auf dem Aktienmarkt auswirken wird.

Diese geschilderten Anlagezwänge sollte man auch immer dann im Hinterkopf haben, wenn Fondsverwaltungen einem suggerieren wollen, man könne durch eine Streuung des Vermögens in verschiedenen Aktien eine größere Sicherheit erlangen. Denn umso mehr gibt es gewisse Zwänge und Notwendigkeiten, wenn sich der Börsenzug in die andere Richtung bewegt.

Nach dem Höhepunkt einer Hausse erkennen nach und nach immer mehr Leute, dass die Preise auch fallen können und beginnen zu verkaufen. Vor allem diejenigen, die auf Kredit spekuliert haben. Für diese ist nicht nur ihr Vermögen in Gefahr, sondern sie sind auch dem Risiko ausgesetzt, auf einem Schuldenberg sitzen zu bleiben. Solche zittrigen Hände verkaufen ihre Bestände, sobald die Kurse anfangen zu fallen, ungeachtet jedweder fundamentaler Einflüsse. Da somit das Angebot zunimmt und die Käufer sich gleichzeitig zurückhalten, fallen die Kurse stark.

Die Fondsgesellschaften nehmen die  Anteile der abgebenden Kunden entgegen und müssen diese ausbezahlen. Da das Fondsvermögen in aller Regel nahezu vollständig investiert ist, führen die Anteilsrückgaben dazu, dass sich die Fonds Bargeld erst einmal beschaffen müssen. Sie müssen Aktien aus dem Bestand an der Börse verkaufen, um die nötigen liquiden Mittel für die Auszahlungen zu erhalten, was wiederum weiteren Druck auf die Aktienkurse ausübt. Diese Kursrückgänge führen zu weiterer Verunsicherung und zu weiteren Anteilsrückgaben, und so verselbständigt sich erneut die Kursfolge, nur dieses Mal im negativen Sinn. Im Extremfall werden am Ende ganze Portefeuilles in Panik auf den Markt gekippt.

 

Fondsgebühren

Ein überaus wichtiger Grund, warum man seine Geldanlage selbst in die Hand nehmen sollte, sind die teils horrenden Gebühren. Nicht selten nehmen deutsche Investmentfonds einen einmaligen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent. Bei einer Anlage von 200.000 Euro kann man sich hier bereits über Kosten von 10.000 Euro ärgern. Aber was sind diese einmaligen fünf Prozent im Vergleich zu den ca. anderthalb Prozent, die jährlich als Kosten anfallen? Dadurch wird der Anleger bei einer Anlagedauer von beispielsweise zwanzig Jahren um weitere 57.000 Euro erleichtert. Je größer der Anlagebetrag und je länger die Anlagedauer, desto höher ist natürlich der absolute Betrag, den man an die Fondsgesellschaft zu zahlen hat und man selbst sparen kann, wenn man sein Vermögen selbst verwaltet.

Besitzt man nur einen geringen Anlagebetrag, muss man abwägen, ob man seinen mit der Geldanlage verbundenen Zeitaufwand und seine zumindest anfangs geringeren Kenntnisse den höheren Kosten gegenüberstellt, und sich nicht vielleicht doch für die professionellen Manager entscheidet. Es kann rational sein, die recht hohen Fondsgebühren in Kauf zu nehmen, wenn man ansonsten aufgrund mangelnder Erfahrung womöglich erhebliche Kursverluste hinnehmen müsste. Wie aber bereits erwähnt, muss dann höchste Aufmerksamkeit auf die Auswahl des Fonds gelegt werden. Keinesfalls sollte man diese allein dem Bankberater überlassen, der üblicherweise einen Fonds aus seinem eigenen Hause empfehlen wird. Es geht bei dieser Frage um im Zeitablauf große Beträge, und entsprechend sorgsam muss man vorgehen. Im Supermarkt wird gerne geguckt, ob man bei der Margarine einige cent sparen kann, während in dieser wirklich wichtigen Frage oftmals eine große Naivität an den Tag gelegt wird.

Noch ein paar Worte zur Aktienfonds im Allgemeinen. Wie schon erwähnt, kommt es an den Aktienmärkten immer mal wieder zu massiven Fehlbewertungen. Marktteilnehmer, die mit dem abgedroschenen Spruch daher kommen, der Markt habe immer Recht, haben es also einfach noch nicht so ganz begriffen. Es gibt Fehlbewertungen, und daher hat der Markt eben nicht immer Recht.

Am Aktienmarkt kommt es vorwiegend aus psychologischen Gründen wie Angst und Gier zu Fehlbewertungen. Clevere Fondsmanager nutzen dies aus und handeln entsprechend. Es gibt einige wenige Fonds, die von hervorragenden Fachleuten geführt werden, die es immer wieder schaffen, den breiten Markt zu schlagen. Das Problem ist nur, dass diese die Ausnahme darstellen und nicht leicht zu finden sind. Möchte man seine Geldanlage also nicht selbst in die Hand nehmen, was ich ja empfehle, so sollte man zumindest bei der Suche nach einem passenden Fonds sehr viel Sorgfalt und Mühe investieren. Wichtigstes Kriterium ist hier, dass der Fonds bereits über einen langen Zeitraum existiert hat und eine überlegene Performance bereits bewiesen hat. Bei einem neuen Fonds, der in Hitlisten ganz oben auftaucht, kann es sein, dass schlichtweg Glück im Spiel gewesen ist. Darüber hinaus ist nicht ersichtlich, unter Inkaufnahme welchen Risikos diese Performance erwirtschaftet worden ist. Hat ein frisch von der Universität gekommener, unerfahrener Jüngling schlichtweg gezockt, oder kam die Performance aufgrund eines durchdachten, langfristig etablierten Konzeptes zustande?

Nicht blenden lassen sollte man sich bei der Auswahl des Fonds von einer am Aktienmarkt oftmals vorherrschenden Moderichtung. Zu Zeiten des Börsenboom im Jahr 2000 hatte man wohl nur spekulative, wachstumsträchtige hightech - Fonds im Visier. Fonds mit soliden Wachstumswerten aus dem Nahrungsmittel oder Pharmabereich wären sicherlich bereits zu langweilig gewesen, und hätte man zu dem damaligen Zeitpunkt auf einen wachstumsschwachen Substanzwerte oder Dividendenwerte - Fonds  gesetzt, wäre man wohl vollends als hinterwäldlerisch durchgegangen. Heutzutage ist Wachstum total out und jeder setzt nur auf „große, eigenkapitalstarke value - Werte mit etablierten Geschäftsmodell, guter Markstellung, hoher Preissetzungsmacht und stabilen Margen“. „Ich kaufe das, was keiner will“, so heißt es von Börsenprofessoren, „je langweiliger, desto besser“. Es wird Warren Buffets Lehrmeister Benjamin Graham zitiert, es wird von „Burggraben um das Unternehmen“ erzählt, womit beispielsweise Unternehmen gemeint sind, die durch monopolartige Stellung ihrer Produkte von Wettbewerbern weniger angreifbar sind und so weiter. Dies mag alles richtig sein, doch jedes Anlagekonzept hat seine Zeit. Auf das timing kommt es an, und wenn diese value - Burschen in der Medienpräsenz Überhand nehmen, führen sie sich quasi selbst ad absurdum, predigen sie doch, man solle das tun, was niemand macht.

 

 

 http://www.normanrentrop.de/zitate/

 

 

 

16.11.2014

Warum selbständiges Agieren bei der Aktienanlage so wichtig ist (2)

 

 Wie bereits angesprochen, ist es auch für sogenannte Experten in abwärtsgerichteten Märkten nahezu unmöglich, eine ansprechende, positive Kursperformance zu erzielen. Wie sollte das auch möglich sein, predigen die Fondslenker doch ständig, dass man die assets breit streuen solle, auf unterschiedlichste Branchen und Länder. Schnell befinden sich 100 oder mehr verschiedene Aktiengesellschaften im Portfolio wieder, von denen einem keine besonders am Herzen liegt. Streuung als Allheilmittel. Doch wie soll man sich auf diese Art und Weise vom Markt abkoppeln können? Ein Fondsmanager ist eben in aller Regel auch nur ein Fondsmanager und kein Unternehmer, dem der Erfolg und Misserfolg seiner Aktionen auf dem eigenen Konto zu Buche schlägt. Ein Fondsmanager ist Angestellter einer Gesellschaft und handelt so, dass er sich in erster Linie nichts zu schulden kommen lassen will. Dies sieht dann so aus, dass er für sich und seinen Angestelltenverhältnis wenig riskiert. Er hat ein paar BASF - Aktien mehr im Bestand als der Vergleichsindex und dafür ein paar Bayer - Aktien weniger. Vielleicht eine kleine Übergewichtung der Elektrobranche, dafür etwas weniger Maschinenbau oder umgekehrt. Der Fondsmanager bekommt ein Problem, wenn er beispielsweise Unternehmen, die von der Allgemeinheit derzeit als eventuell problematisch angesehen werden, im Bestand hat oder gar höher gewichtet als der Durchschnitt. Auch wenn seine Kaufgründe in diesem Falle fundiert sein mögen, steht er unter Druck, falls es schief läuft. Ein Querdenker, ein Antizykler hat es schwer im Fondsanlagengeschäft. Traut er sich, eine schlecht beleumundete Aktie ins Portfolio aufzunehmen und sie steigt tatsächlich, werden Kollegen dies als Zufallstreffer ansehen. Geht die Transaktion in die Binsen, riskiert er seinen Job. Mehr oder weniger kann bei einem Aktienfonds dann auch nur der Durchschnitt herauskommen, abzüglich der Gebühren dann oftmals sogar ein etwas schlechteres Ergebnis.

Auch trauen sich die Fonds vielfach nicht, ihre Investitionsquote zu variieren. Die Fonds sind in den meisten Fällen stets nahezu vollständig investiert. Auch daher kommt es zu der Tendenz, dass der Fonds immer in etwa auch so wie der Vergleichsindex abschneidet. Dem Fondsmanager reicht das, um zumindest seinen Job zu behalten. Bei einer stärker negativ vom Vergleichsmaßstab abweichenden Performance kriegt er ein Rechtfertigungsproblem gegenüber seinen Vorgesetzten. Somit ist er zufrieden, wenn der Vergleichsindex beispielsweise zwanzig Prozent verliert, er selbst aber nur fünfzehn Prozent. Doch ist es als Anleger wirklich so toll, wenn man fünfzehn Prozent seines Kapitals verliert? Dem Fondsmanager ist das egal. Er hat den Index geschlagen und kann sich dafür auf die Schulter klopfen lassen.

In der heutigen schnelllebigen Zeit hat es der Fondsmanager aber auch nicht immer leicht. Er muss befürchten, dass nach ein paar unterdurchschnittlichen Quartalen Anleger schlecht gelaufene Fondsanteile abgeben und der Fonds starke Abflüsse hat. Bewegt man sich halbwegs um die Performance des Vergleichsindex, ist allen gedient. Der Fondamanager darf seinen Arbeitsplatz behalten und der Kunde bleibt bei der Stange.

Unter Druck steht der Fondsmanager auch dadurch, dass die Kunden sehr genau beobachten, welche Werte sich im Portfolio befinden. Die Fondskunden wollen die populärsten Werte im Bestand wissen. Sie ziehen ihr investiertes Geld ab, wenn sie vermeintliche Kurslangeweiler im Fonds entdecken und nicht die Aktien, die gerade en vogue sind. Dies führt zu einer Prozyklik dergestalt, dass die bereits gut gelaufenen und teueren Aktien den Weg in den Fonds finden, und die Werte, die gerade nicht in Mode sind, außen vor bleiben. Dabei ist es genau eine antizyklische Vorgehensweise, die den Börsenerfolg ausmacht. Die Investorenlegende Warren Buffett betont immer wieder wie wichtig es ist, gegen die Mehrheitsmeinung zu agieren und ängstlich zu sein, wenn andere gierig sind, und gierig zu sein, wenn andere ängstlich sind. Buffett kann sich dies erlauben, betreibt er doch keinen Fonds im klassischen Sinne mit Zu- und Abflüssen von Kundengeldern. Sein Investmentvehikel Berkshire Hathaway wird wie eine normale Aktie an der Börse gehandelt. Möchte man sich an seinen erstklassigen Qualitäten beteiligen, so kauft man über die Börse Anteile des von ihm geführten Unternehmens. Man kauft sie einem anderen Anleger ab, beziehungsweise verkauft sie einem anderen Anleger, wenn man sie wieder loswerden möchte. Die Firmenkasse Berkshire Hathaways wird nicht berührt, ganz im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Investmentfonds. Dies hat für ihn viele Vorteile.

(Fortsetzung folgt...)

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=kws7dTFeoTU

 

 

 

07.10.2014

 

Warum selbständiges Agieren bei der Aktienanlage so wichtig ist (1)

 

Aktien gelten in breiten Bevölkerungskreisen immer noch als unsicher, nur weil ihre Kurse temporär stark schwanken können. Dieser Irrglaube ist nicht auszurotten, ebenso, wie Immobilien ja per se im Preis nur steigen können. Man steckt seine gesamten Ersparnisse in eine Immobilie und nimmt noch einen Kredit auf, den man auch noch in dieses asset steckt. Risikostreuung sieht anders aus. Dass eine Wohnung nach spätestens vierzig Jahren im Grunde genommen komplett renoviert werden muss und einzig das Grundstück im Wert steigt, wird gerne ausgeblendet.

Bei festverzinslichen Anleihen können die Kurse auch stark schwanken, abgesehen davon, dass der Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten kommen kann und die Anleihe eventuell nicht zurückbezahlen kann. Darüber hinaus wird die Kaufkraft des Geldes mit den Jahren durch die stete Inflation ausgehöhlt. Ein risikoloses Investieren gibt es also nicht. Auch das Leben selbst birgt immer wieder Risiken, warum also sollte man vor dem Aktienmarkt zurückschrecken?

Eine ideologische Abneigung gegenüber dem Aktienmarkt ist nicht angezeigt. Man beteiligt sich durch den Aktienerwerb an der Prosperität oder auch an dem Fiasko eines Unternehmens. Und es ist ja nicht so, dass man dem Unternehmen durch seinen anschließenden Aktienverkauf das Geld wieder aus der Unternehmenskasse abzieht, da lediglich die bereits ausgegebenen Anteilsscheine gehandelt werden. Es wechseln lediglich die Besitzer. Auch stimmt es nicht, dass der Käufer verliert, was der Verkäufer verdient und das Ganze somit ein Nullsummenspiel ist, denn langfristig steigt die Gesamtheit der Aktienkurse, und sei es durch die Inflation. Durch die steten Geldmengensteigerungen der Zentralbanken wird auf die Dauer alles nominal teurer, eben auch die Unternehmen und somit deren Anteilsscheine. Der neue Käufer kann also durchaus auch auf seine Kosten kommen.

Nun wird von den Banken und der Finanzindustrie das Fondssparen als einfache Möglichkeit für eine langfristige Kapitalanlage gepriesen. Eine breite Streuung des Anlagevermögens in Unternehmen verschiedenster Länder und Branchen durch Experten suggeriert Sicherheit und Solidität. Wenn schon am spekulativen Kapitalmarkt mitwirken, dann doch wenigstens nicht viel verlieren, so die implizite Botschaft der bunten Prospekte der Fondsindustrie. Aber gab es nicht seit dem Jahr 2000 genügend Kursrückschläge in den Indices, die auch bei den als konservativ geltenden Fonds zu Kurshalbierungen geführt haben? Auch beim Fondssparen kommt man daher um das richtige timing für den Ein- und Ausstieg nicht  umhin.

Vielfach wird ein monatliches Besparen eines Fonds mit geringen Beträgen angeboten, mit dem man vermeintlich um das timing herumzukommen glaubt. Indem jeweils für einen festen Geldbetrag Fondsanteile gekauft werden, werden in Zeiten steigender Kurse nur wenige Anteile erworben, in Zeiten fallender Kurse entsprechend mehr Anteile. Wie die schwäbische Hausfrau auf dem Wochenmarkt erwirbt man daher bei billigen Preisen mehr Anteile und bei hohen Preisen nur wenige. Das Ergebnis dieses sogenannten cost - averagings ist daher ein durchschnittlicher Preis. Doch auch hier ist der generelle Börsentrend allein entscheidend. Dieses theoretisch schöne Konzept versagt nämlich in Abwärtstrends. Man verbilligt und verbilligt und verbilligt. Wer 1990 begonnen hat, monatlich in einen Japan - Fonds einzuzahlen, wird davon ein Lied singen können. Der dortige Nikkei - Index kollabierte seitdem von seinem Hoch bei knapp 40000 Punkten auf einen Stand von weit unter 10000 Punkten. Nach einem Vierteljahrhundert wäre man mit seinem Sparplan also immer noch ziemlich unter Wasser gewesen, ganz abgesehen von den nicht wahrgenommenen Chancen, die man auf anderen Märkten zwischenzeitlich verpasst hätte. In so einem dauerhaft abwärtsgerichteten Markt kann der beste Fondsmanager der Welt kein Geld verdienen.

Für die heutzutage in Mode gekommenen Anlagezertifikate und Index - tracker wie ETFs (exchange traded funds) gilt das Gleiche. Bei den vielfach als kostengünstig gepriesenen  ETFs, also börsengehandelten, passiven Indexnachbildungen, schützt ebenso nichts vor fehlerhaftem timing beim Ein- und Ausstieg. Immerhin spart man sich hier einen gewissen Teil der Fondsgebühren, da bei einem ETF einzig der zugrundeliegende Index vom Emittenten nachgebildet wird und hier keine teils übertriebenen Gehälter für das Fondsmanagement bezahlt werden müssen.

Das Prinzip des cost - averaging widerspricht auch der ehernen Regel, dass man Verlustengagements möglichst schnell und bei noch geringem Verlust auflösen soll. First loss is the cheapest, der erste Verlust ist der Geringste, heißt es auch. Ebenso wie bei einer Aktie sollte man auch bei Fonds oder ETFs bei einem vorher definierten level die Reißleine ziehen und das Papier verkaufen, und nicht noch schlechtem Geld gutes hinterherwerfen. Psychologisch mag dies schwierig sein, hat man das Papier doch zuvor ausgewählt, weil die Gelegenheit einem günstig erschien und der Kurs nun steigen sollte. Nun erscheinen die Preise zunächst noch billiger. Da ist es psychologisch schwierig, trotzdem zu verkaufen, um seine Verluste klein zu halten. Aber man muss sein Wertpapierportfolio über die Verlustseite optimieren, und man muss es vermeiden, zuerst auf  die möglichen Gewinnchancen zu schielen. Beschönigend wird oftmals von „Buchverlusten“ gesprochen. „Verlust habe ich erst, wenn ich verkauft habe“, heißt es dann. Ein Trugschluss. Denn Verlust ist Verlust, ganz gleich, ob es sich um Buchverluste oder realisierte Verluste handelt. Was nützt es einem, wenn der Einstandskurs eines Fonds oder der Deutschen Telekom AG bei 100 Euro gelegen hat, der derzeit am Markt erzielbare Preis aber nur zehn Euro beträgt. Der Verlust beträgt 90 Euro, wie man es auch dreht und wendet. Nur Anfänger unterscheiden zwischen Buchverlusten und realisierten Verlusten.

Gegen einen einmaligen, günstigeren Nachkauf mit anschließend sofort gesetztem Verlustbegrenzungsauftrag (stopp loss - order) mag vielleicht noch nichts sprechen. Fällt der Fonds aber nach diesem einmaligen Nachkauf weiter, müssen die Verluste konsequent mitgenommen und begrenzt werden. Man sollte sich immer wieder das Japan - Beispiel vor Augen führen, und sich vorstellen, was passieren kann, wenn man zu stur an seinen Ansichten festhält. Wenn sich die Faktenlage ändert, muss man auch seine Einstellung ändern. Nichts spricht nach einem Verkauf gegen einen anschließenden erneuten Wiedereinstieg in das gleiche Papier. Es sollte aber wirklich nur dann erworben werden, wenn sich inzwischen ein neuer Aufwärtstrend herauskristallisiert hat. The trend is your friend, und Geld in seitwärts oder gar abwärts gerichteten Märkten investiert zu haben, ist pure Zeitverschwendung. Wer nicht in der Lage ist, ein Kursminus klein zu halten, sollte sowieso besser die Finger ganz von der Börse lassen. Wie bei Immobilienkäufen, wo die drei wichtigsten Kriterien "Lage, Lage und Lage" lauten, sind die drei wichtigsten Punkte bei der Wertpapieranlage "Verluste begrenzen, Verluste begrenzen, Verluste begrenzen". Dies gewährleistet, dass man auf jeden Fall im Spiel bleibt.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht, warum dies so wichtig ist: Um 10% Kursverlust aufzuholen, benötigt man einen Gewinn von 11,11%. Um 20% Verlust aufzuholen, benötigt man schon einen Gewinn von 25%. Will man einen Verlust von 50% aufholen, benötigt man einen Gewinn von 100%. Bei 90% Kursverlust benötigt man schlappe 1000% Kursgewinn, um auf sein Ursprungsniveau zu kommen. Um es mit Kostolany zu sagen: "Gewinnen kann man, verlieren kann man... aber zurückgewinnen: Unmöglich". Natürlich ist es unschön, wenn man seinen kleinen Verlust in Kauf nimmt und der Kurs direkt danach auf dem Absatz kehrt macht, um dann doch in die zuvor prognostizierte Richtung zu laufen. Dennoch: Man kann auch bei roter Ampel über eine Kreuzung fahren, ohne das etwas passiert. Irgendwann kommt es aber zwangsläufig zur Tragödie. An der Börse ist dies nicht anders.

 

Einfach großartig:

 

https://www.youtube.com/watch?v=v41szpvrXvM

 

 

 

 

02.08.2014

 

"Wo warst Du, als die bond - Blase platzte?"

 

Manchmal (aber nur manchmal) juckt es mir in den Fingern. Am Rentenmarkt hat sich eine Blase epochalen Ausmaßes gebildet, und am liebsten würde ich sofort loslaufen, um mir durch den Kauf hochhebeliger Bund - Future - puts die Taschen möglichst schnell möglichst voll zu schaufeln. In meinen bisher 27 Jahren intensivster Beschäftigung mit den Kapitalmärkten habe ich aber einige Lektionen gelernt.

Es gibt sie auch an der Börse, diese immer gleichen, unumstößlichen Tatsachen.

Es dauert zehn Minuten, um ein Hemd zu bügeln, egal wie sehr man sich auch beeilt, der Regen hört immer erst dann auf, wenn man am Ziel angekommen ist, und eine Baisse beginnt immer erst dann, wenn die Kurse fallen. Leidvoll werden das diejenigen bestätigen können, die in den letzten Jahren immer mal wieder das Ende der dreißigjährigen Rentenmarkthausse in ihren Spekulationen vorwegnehmen wollten. Es hat sich noch nie ausgezahlt, zu früh richtig liegen zu wollen. It ain't over till the fat lady sings.

Auf welche Indizien sollte man nun achten, um das Hausseende an den Anleihemärkten möglichst exakt zu bestimmen? Wann sollte man loslaufen, um diese once in a lifetime - Chance zu nutzen?

 

Schön wäre folgendes Szenario:

Die Kurse am Rentenmarkt steigen noch ein letztes Mal senkrecht fahnenstangenartig in die Höhe, garniert mit Schlagzeilen a la "Eine neue Ära bricht an, die Zinsen werden NIE mehr steigen, weil .... (= hier stehen dann diverse schwachsinnige Begründungen)".

Dieser letzte, fulminante Kursanstieg endet dann abrupt, am besten mit einer Meldung, die FÜR einen weiteren Kursanstieg gesprochen hätte, und es kommt zu einem gap - down, einer großen Kurslücke von einem Tag auf den nächsten. An den folgenden Tagen gelingt es nicht, diese Kurslücke wieder durch einen Kursanstieg zu schließen. DANN ist der große Tag gekommen. Mutige Naturen (der Effektenspiegel würde von "gewieften Vollprofis" sprechen), kaufen nun die Hälfte ihrer beabsichtigten Put - Optionsscheine (= stop loss etwas oberhalb der Kurslücke).

Endgültig beendet ist die Hausse dann, wenn die 38 - Tagelinie unterschritten wird (= dann Kauf der noch fehlenden zweiten Hälfte der Put - OS, stop loss knapp oberhalb der nun ja unterschrittenen 38 - Tagelinie).

Ziel ist es, die riesigen, unvermeidlichen Kursverluste der über 30 Jahre aufgebauten Blase am Rentenmarkt zu nutzen, ohne sich dabei zu ruinieren. Und sich dabei schön die Taschen vollzustopfen.

Die dicke Frau wird die Bühne bald betreten.

 

 

http://cdn4.spiegel.de/images/image-726717-panoV9free-joei.jpg

 

 

 

10.03.2014

 

Fortsetzung: 

Das timing des Ein- und Ausstiegs ist der alles entscheidende Faktor, da es nicht richtig sein kann, einfach dann Aktien zu kaufen, wenn man mal zufällig Geld übrig hat, sondern erst dann, wenn sich der Markt in einem Aufwärtstrend befindet. Ein Verlustjahr stört die Ansammlung von Kapital und das Entfalten des Zinseszinseffektes empfindlich.

Wie setzt man dieses, im englischen „compounding“ genannte Verfahren, also das Dazufügen der Erträge zu seinem Anlagekapital, aber am Besten um? Eine Möglichkeit ist es, sich dividendenstarke Aktien rauszusuchen, deren Ertragslage zumindest stetig ist, so dass die Auszahlung der Dividende auf jeden Fall gesichert ist. Versorgungsunternehmen jeglicher Art, Nahrungsmittel- oder Hygieneartikelhersteller gehören in diese Kategorie. Auch Aktienfonds, die sich auf die Auswahl dividendenstarker Werte spezialisiert haben, kann man in Betracht ziehen, sofern das Management bereits langfristig unter Beweis gestellt hat, dass es sein Handwerk versteht. Der Vorteil für den Privatanleger ist hier, dass er nicht verschiedene einzelne Aktien verfolgen muss, wenn er selbst nicht viel Zeit für seine Geldanlage aufwenden möchte. Er braucht nur den Kurs seines Dividendenfonds zu verfolgen und diesen solange behalten, wie er im Aufwärtstrend ist. Auch bei der so konservativ klingenden Strategie des compounding ist es notwendig, stets die Kursentwicklung im Auge zu behalten und rechtzeitig seine Anlage zu verkaufen, wenn der Aufwärtstrend nicht mehr intakt ist. Man kommt um das timing nicht herum. Es gibt stürmische Zeiten, in denen genau solche Dividendenwerte gehypt werden, gelten sie doch vermeintlich als konservativ. Wenn die Herde der Anleger in diese Richtung marschiert, ist es richtig, dabei zu bleiben, solange diese Modewelle anhält, ganz egal, ob die Bewertungsniveaus bereits in luftige Höhen katapultiert worden sind. Natürlich muss man nach starken Kurssteigerungen aufpassen und darf sich nicht von den dann optimistischen Medien und sogenannten Experten einlullen und in falscher Sicherheit wiegen lassen. Starke Kurssteigerungen machen Aktien teuer und damit anfälliger. Statt dann immer optimistischer zu werden, empfiehlt es sich im Gegenteil, immer vorsichtiger zu werden.

Dennoch beginnt ein bear - Markt immer erst dann, wenn die Kurse fallen. Und nicht vorher.

 

Auch Warren Buffets Unternehmen Berkshire Hathaway bedient sich dieser Methode. Er hat stabile Unternehmen wie Coca Cola, McDonald’s oder Johnson & Johnson, die ihm stete cash - Zuflüsse liefern. Eine Dividende hat er noch nie ausgeschüttet, sämtliche Zuflüsse investiert er wieder am Aktienmarkt, wenn ihm der Zeitpunkt günstig erscheint. Sieht man sich die Kursentwicklung seiner Aktie an, so erkennt man eine ähnlich exponentielle Steigerung wie bei einer Kurve, die den Zinseszinseffekt darstellt. Er begründet auch seine Abneigung gegenüber Gold mit dem Argument, dass dieses keine Zuflüsse in Form von Zinsen oder Dividenden liefert (und damit keine Investition der Erträge möglich ist). Dies stimmt natürlich. Dennoch ist es auch richtig, dass der Goldpreis sich seit seinem Tiefststand im Jahre 1999 von gut 250 US - Dollar mittlerweile vermehrfacht hat. Auch mit einem Investment in Gold hätte man also eine schöne jährliche Rendite erzielen können, obwohl es hier keine Ausschüttungen in Form von Zinsen oder Dividenden gegeben hat. Es ist letztlich egal, wie die Rendite zustande kommt. Auch Wachstumswerte, die ebenfalls keine oder nur eine geringe Dividende ausschütten, werden von Zeit zu Zeit favorisiert, während in einer solchen Phase vielleicht dividendenstarke Werte links liegen gelassen werden. Alles zu seiner Zeit.

Ob man nun dividendenstarke Werte wie langweilige Versorger besitzt, oder dividendenschwache Wachstumswerte (wobei man hier berücksichtigen sollte, dass mit dem Unternehmenswachstum auch die Dividende im Zeitverlauf angehoben werden wird), oder andere assets wie zum Beispiel Gold, wo es überhaupt keine Ausschüttung gibt, ist letztlich egal. Wichtig ist das kontinuierliche Anwachsen des Kapitalstocks. Ein Verlustjahr trifft den Zinseszinseffekt hart. Daher ist es absolut unerlässlich, bei Beendigung eines Aufwärtstrends die Reißleine zu ziehen und seine Bestände zu verkaufen. Man kommt um das timing nicht herum. Der Gewinn liegt im Einkauf, und wenn man dividendenstarke Werte viel zu teuer einkauft, mag man zwar die Dividende erhalten, die aber womöglich die Kursverluste nicht kompensieren kann. Der Zinseszins ist die stärkste Waffe, und man sollte sie für sich nutzen.

 

 

 

www.youtube.com/watch?v=rtb7cPA3bUU

 

http://www.der-postillon.com/2012/05/mann-baut-schlimmen-unfall-weil-seine.html

 

 

 

 

 

18.02.2014

 

Ausnutzen des Zinseszinseffektes

 

In der ersten Vorlesung meines Studiums erzählte ein Professor im Fach „Privatrecht für Wirtschaftswissenschaftler“ zu Beginn folgendes: „Meine Damen und Herren, ich weiß genau, dass sie diese Veranstaltung nicht sonderlich interessieren wird. Wir werden im Bereich Jura nur ganz grob an der Oberfläche kratzen, und das Meiste werden sie sowieso wieder vergessen. Mir würde es schon reichen, wenn sie aus dieser Veranstaltung drei Dinge mitnehmen würden, und diese ihr Leben lang nicht wieder vergessen. Erstens: Keine Aktien auf Kredit! Zweitens: Bürgt NIE! Und drittens: Der Zinseszins ist die stärkste Waffe!“.

 

Der erste Punkt, nicht auf Kredit zu spekulieren, leuchtet intuitiv ein. Man will zu schnell zu viel, spekuliert mit Hebelwirkung und gerät in Panik, wenn die Kurse sich nicht so entwickeln wie erwartet. Gerade bei Neulingen, die nach ein paar geglückten Transaktionen schnell übermütig werden und sich für die Größten halten, wird diese overconfidence schnell bestraft. Wenn Aktienkäufe auf Kredit erfolgen, ist womöglich nicht nur das eingesetzte Geld futsch, sondern man steht vor einem Schuldenberg. Nur wirklich erfahrene Börsianer, die sich der Gefahren bewusst sind, sollten daher in Ausnahmesituationen ihr Depot beleihen, denn Aktienspekulationen sind immer gefährlich. Übersteht das Depot einen Kriegsausbruch? Was ist, wenn ein Atomkraftwerk explodiert? Man sollte immer mit dem Unvorhersehbaren rechnen, egal wie unwahrscheinlich es ist. Das finanzielle Überleben muss immer sichergestellt sein.

 

Beim Thema Bürgschaften habe er schon zu viel Negatives erlebt, Freundschaften und Familien zerbrechen sehen. Lieber solle man demjenigen gleich etwas Geld schenken.

 

Der dritte Punkt ist der Zinseszinseffekt. Dieser birgt im Zeitablauf eine exponentielle Steigerung des Kurvenverlaufs in sich. Ein Anlagebetrag erhält nach einem Jahr eine Zinszahlung und im Folgejahr steht der Anlagebetrag plus der daraus resultierende Zinsertrag zur Wiederanlage zur Verfügung. Auf den erhaltenen Zins wird erneut Zins gezahlt und das Spiel nimmt seinen Lauf. Sehr bekannt ist das Beispiel des Josephspfennigs, welches besagt, das ein Pfennig, angelegt im Jahre Christi Geburt und verzinst zu fünf Prozent, heute den Gegenwert von so manchen Erdkugeln aus purem Gold hätte. Oder das Schachbrett, bei dem auf dem ersten Feld ein Reiskorn gelegt wird und bei dem auf jedem weiteren Feld eine Verdopplung stattfindet. Am Ende ergibt sich eine Reismenge von 18.446.744.073.709.551.615 Stück (= mehr als achtzehn Trillionen).

Für Schuldner wirkt der Zinseszins desaströs. Immobilienkäufer, die beispielsweise eine Tilgung von nur einem Prozent pro Jahr festlegen, zahlen einen Kredit (bei einem Zinssatz von vier Prozent) rund vierzig Jahre lang ab. Vereinbart man hingegen eine Tilgung von zwei Prozent pro Jahr, ist man die Schulden bereits nach rund achtundzwanzig Jahren los. Hier wirkt der Zinseszinseffekt gnadenlos auf der „falschen“ Seite. Es empfiehlt sich daher unbedingt, einen hohen Tilgungssatz zu wählen, um den Kreditbetrag schnellstmöglich zu reduzieren.

Umgekehrt kann man sich diesen Effekt bei der Geldanlage zu Nutze machen. Die folgende Aufstellung zeigt, welchen Ertrag man bei 100.000 Euro Anlagebetrag über die jeweilige Dauer bei dem jeweiligen Renditesatz erzielt:

 

                                      4%                   8%                    12%                 16%

10 Jahre                     48.024             115.892           210.584           341.143          

20 Jahre                     119.111           366.094           864.627           1.846.075

30 Jahre                     224.337           906.260          2.895.970        8.484.987

 

Die Zahlen sind nominal, beinhalten also keine Geldentwertung, und auch die steuerliche Komponente ist nicht berücksichtigt. Dies ist aber auch gar nicht notwendig, geht es hier doch einzig darum, den gewaltigen Effekt des Zinseszinses im Zeitverlauf aufzuzeigen. Wer diesen Zusammenhang frühzeitig erkennt, kann durch konsequentes Wiederanlegen seiner Erträge einen Renditeturbo einschalten. Es verlangt Opferbereitschaft und Disziplin, dann auch wirklich so konsequent zu sein, seine Erträge nicht zu verkonsumieren und sie erneut anzulegen.

In the long run, we are all dead, sagte schon John Maynard Keynes, und da ist schon etwas dran. Und Geld ist schließlich zum Ausgeben da, denn es bringt ja nichts, sich sein Leben lang nichts zu gönnen, um dann reich zu sterben. Aber wenn man sich nicht auf die Versprechen der Politiker, die Rente sei sicher, verlassen will, und darüber hinaus nicht davon ausgeht, bereits morgen sterben zu müssen, kommt man nicht umhin, bereits in jungen Jahren etwas für das Alter zurückzulegen. Man hat aber einen Verbündeten, nämlich den Zinseszinseffekt.

 

 

 

Das vermutlich beste Stadionlied:

 

www.youtube.com/watch?v=xWPDMX2s2dI

 

 

 

28.01.2014

 

Thema Prokon bei "Hart aber fair"


Normalerweise schalte ich bei solchen Sendungen reflexartig um. Ich hätte es auch dieses Mal tun sollen. Es war grausam.
 
Die Teilnehmer:


Moderator Plasberg, der offensichtlich von der Materie keine Ahnung hatte,

Lafontaine, ein zunehmend senil wirkender Staatsgläubiger, der alles reguliert haben will,

Edda Castello, die unter dem Deckmäntelchen des Verbraucherschutzes dem Bürger die eigene Mündigkeit abspricht und ebenfalls alles reguliert haben will (wirkte satt und unfähig, wie kann man denn noch nie was von Genossenschaftsanteilen gehört haben, wenn man so eine Position bekleidet),

Steffen Kampeter, mit nichtssagenden Politiker - Platitüden ("nichts ist so gut, als dass man es nicht noch besser machen könnte"), der zwischen der von ihm vermuteten Wählermeinung (alles muß reguliert werden) und der eigentlichen (zumindest früheren) Parteimeinung bzgl. hoher Eigenverantwortlichkeit hin und her lavierte,

und einer natürlich nicht gierigen, dafür umweltbewußten "Anlegerin", die populistisch offenbarte, Teile ihrer Altersvorsorge verloren zu haben (nachdem sie durch ein Werbepostkärtchen im Briefkasten auf Prokon aufmerksam geworden war).

 

Dazu Einspielfilmchen von protzenden S & K - Betrügern und dem "Wolf of Wallstreet", die die Vorurteile gegen gierige, betrügerische Banker befeuerten.

 

Christoph Bruns (Fondsmanager bei LOYS) war als einziger Vertreter aus der Geldanlagebranche dort vertreten, der dann DESWEGEN auch noch ab und zu einen mitgegeben bekam, obwohl er doch nur auf die Vorzüge einer langfristigen Beteiligung an der (deutschen) Wirtschaft via Aktienengagement hinweisen wollte. Als er sagte, man bräuchte doch bei weitem nicht 15.000 Euro, um sein Geld vernünftig zu streuen, es reichten auch nur 50 Euro für einen Fondsanteil, wurde das Argument lachend beiseite gewischt (Lobbyismus, Werbung für seinen Fonds), anstatt die Richtigkeit dieser Aussage anzuerkennen.


Aktienanlagen gelten also immer noch als gefährliche Spekulation / Zockerei von Gutbetuchten, anstatt als sinnvolle langfristige Sparergänzung für Jedermann. Gerade die Linken müssten einer Anlage in Unternehmensanteilsscheinen (vulgo: Aktien) doch positiv gegenüberstehen, gelängen die Unternehmen dann doch im Zeitablauf zunehmend in die Hand der Arbeiter und Angestellten.

Stattdessen wird lieber ein bürokratischer TÜV für alles gefordert, dessen Siegel natürlich Zeit und Geld kostet, und am Ende AUCH nicht hilft. Noch vier Tage vor der Pleite wurde beispielsweise der US - Energiekonzern Enron (knapp 40 Mrd USD Jahresumsatz) von den Ratingagenturen mit "investment grade" bewertet.
 
Wie so oft in der Anlagewelt sind es die einfachen Überlegungen, die am weitesten führen:
 

Wenn zehnjährige Bundesanleihen mit ca. 1,65 Prozent rentieren, ist alles, was über diesen Zinssatz hinausgeht, in aller Regel eben auch spekulativer.

Wer dann satte 8 Prozent Zins pro Jahr kassiert (die Umsatzrendite eines Unternehmens muß schon vermutlich bei ca. 10 - 12 Prozent liegen, um solche Sätze bezahlen zu können....  was nur wirkliche Superunternehmen schaffen, die es dann wiederum nicht nötig haben, Kredite zu solchen Konditionen aufzunehmen) bewegt sich im hochspekulativen Bereich.

Um dies zu erkennen, bedarf es keiner Aufsicht oder eines TÜVs, wohl aber eines gesunden Menschenverstands. Wenn schon von staatlicher Seite Maßnahmen ergriffen werden sollen, dann doch eher endlich die Einführung des bereits vielfach geforderten Schulfachs "finanzielle Allgemeinbildung". Schärfung der Eigenverantwortung schon in jungen Jahren, anstatt vom Staat, TÜV oder sonstwem ans Händchen genommmen zu werden.

Bis die Deutschen eine Aktienkultur entwickeln und erkennen, dass es sich langfristig um die lukrativste Anlageform handelt, wird aber noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen. Wenn sie es denn jemals begreifen. Das hat die gestrige Sendung leider erneut gezeigt.

 

 

 

 

http://clips.team-andro.com/watch/119736cf48f475e051bf/comedy-street-best-of

 

 

 

 

27.12.2013

 

Wann kommt die Inflation?

 

Was derzeit passiert, hätte man sich vor einigen Jahren so niemals vorstellen können: Die Zentralbanken verkünden offen, dass sie Geld drucken, und niemand wird nervös. Die Bevölkerung bleibt ruhig, versteht es nicht, weiß nichts davon, und falls doch werden am Ende „die“ schon eine Lösung finden.

In der Bilanz der FED befinden sich bereits Anleihen für knapp vier Billionen US Dollar. Bezogen auf die 314 Millionen US Bürger sind dies nun schon weit über 10.000 USD pro Kopf, die vornehmlich in den letzten vier Jahren angehäuft wurden. Derzeit drucken die Amerikaner 75 Mrd Dollar pro Monat, was bei ungedrosseltem Tempo also 900 Mrd im Jahr wären. Die Zentralbank schenkt damit in 2014 jedem US - Bürger 3000 USD.

Die Japaner toppen das Ganze und drucken, bezogen auf ihre Wirtschaftsleistung, in noch größerem Umfang YEN. Angesichts einer Verschuldung von 240 Prozent des BIPs gibt es dort einfach keinen anderen Ausweg mehr. Ein „Experiment“ sei es, heißt es euphemistisch, ein schwacher Yen würde die Wirtschaft via Exportsteigerung ankurbeln und die Deflation beenden. Anstrengungsloser Wohlstand durch betätigen der Druckerpresse - es wird nicht funktionieren.

 

Das gedruckte Geld wird seinen Weg finden

Nachdem die Zentralbanken die Zinsen durch ihre Aufkäufe nach unten manipuliert haben, geben sich die Sparer mit den Mikrozinsen nicht mehr zufrieden. Sie suchen nach Alternativen zum Rentenmarkt, und so fließt das Geld in den Immobilien- und in den Aktienmarkt, und treibt hier die Preise in die Höhe. Asset price inflation… eine schöne Sache, fühlen sich die Besitzer der Immobilien und Aktien nun wohlhabend. Wozu sparen, wenn man auf dem Papier doch jede Menge besitzt? Und so wird freudig konsumiert, die Wirtschaft kommt in die Gänge, Arbeitsplätze werden geschaffen usw

 

Wie lange kann sowas gut gehen?

Die erste Voraussetzung ist, dass die Amerikaner und Japaner weiterhin so ruhig (bzw. dämlich) bleiben. Wacht die tumbe Masse dann doch irgendwann einmal auf und traut der „Wertaufbewahrungsfunktion“ des Papiergeldes nicht mehr, kann es schnell zu Kettenreaktionen und Panik kommen. Sie wollen dann ihre Scheinchen loswerden. Vielleicht flüchten sie in ausländische Währungen, die sie für solider halten, vielleicht kaufen sie Aktien, Immobilien oder Gold. Hauptsache weg mit dem ungedeckten Papiergeld.

 

Wann wird es soweit sein?

Die Antwort ist recht simpel: Spätestens wenn die Zinsen steigen, gibt es massive Probleme. Schon ein kleiner Zinsanstieg macht die Schuldenlast untragbar.

Läuft die Konjunktur zu gut, wird die Inflation steigen und in der Folge auch das Zinsniveau. Läuft sie zu schlecht, nimmt das Bonitätsrisiko zu. Auch hier steigt das Zinsniveau. In der Folge verschlechtert sich die Bonität weiter.

Nach 30 Jahren rückläufigen Zinses scheint eine Zinswende nun in der Tat nicht mehr fern zu sein. Die „big rotation“, das Umschichten der Gelder aus dem Anleihemarkt in den Aktienmarkt, nimmt immer konkretere Formen an. Natürlich profitiert der Aktienmarkt auf der einen Seite unmittelbar von den Umtauschoperationen, während er mittelbar über den dadurch verursachten Zinsanstieg belastet wird.

Eins ist klar: Die Zentralbank kann soviel Geld drucken wie sie möchte. Es gibt kein Limit. Setzt sich aber am Anleihemarkt die Erkenntnis durch, dass die Zinsen steigen müssen, können die Zentralbanken auf die Dauer dagegen nichts machen. Sie können sich nicht dauerhaft gegen die Realität stellen und mit der Druckerpresse das Zinsniveau „befehlen“. Sie müssten mit gigantischen Mengen an Liquidität Staatsanleihen kaufen, welche sich dann unweigerlich den Weg in andere Assetklassen bahnen würde. Wer glaubt, die Zentralbanker könnten dauerhaft dem Markt Befehle erteilen und diesen beherrschen, befindet sich auf dem Holzweg. Eines Tages wird der Markt das Kommando übernehmen. Ein Kontrollverlust der Zentralbanken ist einzig eine Frage der Zeit.

 

Aktienstrategen erzählen Unsinn - und liegen womöglich dennoch richtig

Es ist die Zeit der Jahresausblicke in den großen Investmenthäusern. Unisono wird grosso modo folgendes berichtet: Die Notenbanken werden offensiv bleiben, die Konjunktur verbessert sich, und am Ende werden die Börsen im Jahresverlauf ca. zehn Prozent zulegen können, da die Bewertung zwar nicht mehr billig, aber auch noch nicht übermäßig teuer ist.

Wie kann man angesichts der gigantischen Gelddruckorgien davon sprechen, dass das derzeitige Kursniveau eine „faire“ Bewertung widerspiegelt? Man stelle sich einmal für einen kurzen Moment vor, was passierte, wenn die Zentralbanken ihr Dauer - Doping per sofort einstellen würden. Umgehend würde die Welt in einem Deflations - Inferno verglühen, die Anleihemärkte einbrechen und die Unternehmen reihenweise Insolvenzanträge stellen. Natürlich werden die Zentralbanken dies nicht machen… aber die Überlegung zeigt, dass ohne ein Drucken nichts mehr geht.

Der zweite Kernpunkt, den man gar nicht genug betonen kann, betrifft die rekordhohe Gewinnmarge, mit der die Unternehmen derzeit arbeiten. Alleine eine Reduzierung der Gewinnspanne auf Normalniveau ließe die Gewinne der Unternehmen um sicherlich ein Drittel zusammenschmelzen und die KGVs entsprechend in die Höhe schießen. Angesichts leerer öffentlicher Kassen und der Schuldenproblematik ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis hier eine Normalisierung einsetzt (Steuererhöhungen). Sehr zügig sollten (und werden wohl) zunächst die Steuerspartricks der apples, googles oder amazons dieser Welt verboten werden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/britische-abgeordnete-befragen-google-manager-wegen-steuerspartricks-a-900385.html

Es ist ein täglicher Schlag ins Gesicht der hart arbeitenden Geringverdiener.

Auch die Gewerkschaften könnten die rekordhohen Gewinnmargen anknabbern und durch Lohnerhöhungen für eine Normalisierung sorgen.

 

Fazit:

Die Bewertung der Aktienmärkte mag in herkömmlichen Bewertungsmaßstäben gemessen nicht übertrieben sein, aber angesichts der Gefahren (Komplettinferno bei Zinsanstieg, Erosion der rekordhohen Gewinnmargen zumindest auf Normalmaß) hat sie auf einem Normalniveau auch nichts zu suchen. Auch die Eurokrise kann täglich wieder aufpoppen, ist sie doch alles andere als gelöst. ZEIT sollte durch die Rettungsmaßnahemen eingekauft werden, Zeit für massive Reformen. Passiert ist in Euroland (zu) wenig, gerade im „Kernland“ Frankreich scheint man an Amnesie zu leiden.

Das Kursgewinnverhältnis sollte daher nicht bei 12 - 14 liegen, sondern wohl eher bei 6 - 8.

Also alle Aktien verkaufen?

Da der Rentenmarkt als Anlagealternative ausfällt, ebenso wie Sparkonten bei den Banken ausfallen (beides Papiergeldsparen mit Verzinsung nahe null, überdies fällt Guthaben über 100.000 Euro hinaus bei einer Bankpleite mit in die Haftung), bleiben nur noch die Anlageklassen Immobilien, Aktien oder Edelmetalle.

 

Immobilien

Zu Immobilien hat jeder seine eigene Meinung, und ich möchte nicht viel dazu sagen. Die Fakten hier: Die Preise in Topregionen sind bereits massiv angestiegen (treibende Faktoren: Niedriges Zinsniveau, Flucht in "Betongold"), und sind vermutlich bereits überteuert (wenn auch nicht unbedingt im europäischen Vergleich, aber das zählt nicht. Auch am Neuen Markt wurde schließlich am Ende bekanntlich folgendermaßen argumentiert („nun gut, Aktie XY mag zu teuer sein, aber Aktie XYZ ist NOCH teurer, also kann man XY noch kaufen“). In 1 B - Städten haben die Immobilien vermutlich ein „faires“ Niveau erreicht, während in ländlichen 1 C - Regionen einem die Häuser hinterhergeworfen werden, was angesichts der demografischen Entwicklung aber wohl auch keine Änderung erfahren wird. Kennt man sich in 1 B - Städten aus, mag man hier noch am ehesten das eine oder andere „Schnäppchen“ machen können.

 

Aktien

Der Aktienmarkt scheidet trotz der genannten immensen Gefahren und der dafür viel zu hohen Bewertungen dennoch nicht als Anlagealternative aus. Konjunkturresistente Top - Unternehmen haben Dividendenrenditen von ca. drei Prozent und sind (anders als Papiergeld) nicht gänzlich ungedeckt, da durchaus gewisse Werte (Patente, Markennamen, Vertriebsstruktur, Grundstücke usw.) dahinter stehen. Die „ich kriege nur noch 0,25 Prozent Zinsen auf meinem Sparbuch, was soll ich mit dem Geld machen?“ - Leute werden noch am ehesten für weltbekannte Großunternehmen als Anlagealternative empfänglich sein. Eine Rückkehr der „nifty - fifty“ – Zeit bahnt sich an.

Auch bieten sich Konglomerate an, also Unternehmen, die viele verschiedene Sparten beackern, und bei dem eine schlecht laufende Einheit von einer gut laufenden Einheit temporär mit durchgeschleift werden kann. Nicht umsonst ist diese Seite auch unter www.konglomeratsaufschlag.de zu erreichen, einfach als Kontrapunkt zu dem eingebürgerten „Konglomeratsabschlag“, den Analysten bei Konglomeraten vornehmen, was ich für absolut unsinnig halte).

 

Währungen / Edelmetalle

Was soll man groß sagen, US Dollar und Yen werden in erheblichem Ausmaß gedruckt. Es gibt immer mehr davon, und daher sollte der Wert der Scheinchen sinken. Also der Euro stark? Aber…. war da nicht was…? Die Eurokrise legt ja auch nur gerade eine Verschnaufpause ein. Die Währungen taugen also alle nichts.

Sollten die Zinsen, aus welchem Grund auch immer, steigen (und sie WERDEN steigen, einen solchen sweet spot wie derzeit wird es nicht ewig geben), rücken Staatsbankrotte in immer greifbarere Nähe. Etwas Gold und Silber sollte also im Anlagemix nicht fehlen, gerade nachdem die Preise im Jahr 2013 so stark zurückgekommen sind. Spekulative Naturen können sich auch Goldminenpapiere ansehen. Niemand mag sie, selbst die weltgrößten Goldminenbetreiber Barrick Gold und Newmont Gold gelten als hochspekulativ. Der Marktwert aller Apple - Aktien liegt bei ca. 500 Milliarden USD (= sie stellen überteuerte, nicht lebensnotwendige Handtelefone her), der Marktwert von Barrick und Newmont zusammen beträgt keine 30 Milliarden USD. Mit ca. einem Jahresgewinn könnte Apple (oder zB Exxon)  diese beiden Unternehmen schlucken. Auch wenn Gold natürlich ein sinnloses Stück Metall ist… wäre ich Apple - Chef, ich würde einen halben Jahresgewinn opfern und Barrick oder Newmont aufkaufen. Mal ein halbes Jahr sparen, und man wäre dafür dauerhaft abgesichert (sollte eine so heftige Krise kommen, dass keine Handtelefone mehr verkauft werden können, stände der Goldpreis wohl ganz woanders... kommt keine Krise, verkauft man halt weiter Handtelefone).

 

Fazit:

Papiergeldanlagen (Sparbuch, Rentenmarkt) scheiden für die nächsten Jahre aus, während Sachgüter wie gut ausgewählte Immobilien, Aktien dividendenstarker, weltweit operierender Unternehmen oder Gold nachgefragt sein dürften.

 

//youtube.com/watch?v=coObCl6RfDI

 

 

 

 

 

18.11.2013

 

It ain’t over, till the FED - lady shrinks 

Intellektuell wenig herausfordernd ist die derzeitige Börsensituation, und mit dieser Überschrift ist im Grunde bereits alles gesagt: Solange die Liquiditätsversorgung weiterhin so üppig ausfällt, sollte es zu keiner wirklichen Baisse kommen. Die hohen Unternehmensbewertungen an den Aktienmärkten spielen derzeit keine Rolle.

Vielfach werden die Bewertungen als „noch im Normalbereich“ angesehen, und als Beleg hierzu wird mit historischen KGVs, Kurs-Buchwertverhältnissen usw. argumentiert. Rein rechnerisch mögen diese Leute Recht haben. Qualitativ muss man es aber anders sehen, denn es ist einfach so, dass die Welt derzeit historische Zeiten durchlebt.

Da ist das vollkommen marode Japan, das derzeit ganz offen versucht, seine Schulden wegzudrucken. Nicht viel anders sieht es in den USA aus, die jeden Monat 85.000.000.000 neue Dollarscheinchen drucken (mit diesem Geld könnte man jedem Bundesbürger jeden Monat einen Scheck über 1000 USD in den Briefkasten stecken). Wie ein Seiltänzer balanciert die Wirtschaft auf dem schmalen Grat eines Seiles, ein Abkippen nach links (schwache Wirtschaft, Deflationstendenzen, Kredit- und Steuerausfälle, Zinsanstieg aufgrund Bonitätsrisiko usw.) oder rechts (stärkere Wirtschaft, anziehende Inflationsraten, anziehende Zinsen) stets vor Augen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass das derzeitige „muddle through“ auf Dauer nicht gelingen kann. Es mag noch ein paar Jahre gut gehen, aber auf Sicht von zehn oder zwanzig Jahren kaum.

In ein paar Jahren wird man zurückblicken und sich fragen, wie man ein quasi „Null“ - Zinsniveau wie derzeit so achselzuckend hinnehmen konnte. Die sich hieraus ergebenden Implikationen sind immens. So führen die rekordtiefen Zinsen zu allerlei Fehlallokationen (gespart wird kaum, Investitionen sind teils einzig aufgrund des niedrigen Zinsniveaus profitabel usw.). Auch werden die Unternehmensgewinne hierdurch aufgeplustert (geringe Finanzierungskosten).

Ein ansteigendes Zinsniveau hätte also verheerende Folgen. Wie man aber ein Zurückführen des Gelddruckens ohne stärkeren Zinsanstieg hinkriegen will, bleibt die große Frage. Die bloße Ankündigung eines taperings im Mai führte ja bereits dazu, dass sich das US - Zinsniveau verdoppelte. Präventiv verschob daher die designierte Bernanke - Nachfolgerin Yellen vor ein paar Tagen schon mal das Ende der Tiefzinsphase auf das Jahr 2017. Ein Wahnsinn. Wird man nun nicht aktiv, sollte die Inflation im Verlauf des Jahres 2014, 2015 oder 2016 Fahrt aufnehmen? Alleine diese Ankündigung belegt, wie am Ende ihres Lateins auch die Notenbanker bereits sind.

Die Zeiten sind also alles andere als normal, und entsprechend hat das KGV des Gesamtmarkts auf historischem Normalniveau nichts zu suchen. Es ist angesichts der Gefahren schlichtweg bereits zu hoch.

Also alle Aktien verkaufen?

Die klare Antwort kann nur „nein“ lauten. Angesichts des auf längere Frist als „sicher“ geltenden Zinsanstiegs, bedeuten die erwartbaren Kursverluste am Rentenmarkt, dass dieser als Anlagealternative ausfällt. Gold und Silber als Versicherung mögen ja ok sein, doch sind diese renditelosen Objekte kaum als Allheilmittel zu sehen. Auch die Immobilienpreise sind bereits stark gestiegen.

Die Hausse am Aktienmarkt ist bisher völlig ohne Euphorie abgelaufen. Niemand ist aggressiv und auf Kredit investiert, so dass die letzte und schönste Phase (senkrechter Anstieg) noch bevor stehen sollte. Aktien von Unternehmen, die ihre Produkte auch in der tiefsten Krise verkaufen können, sollten somit weiter im Depot belassen werden.

 

 

//youtube.com/watch?v=EqekSuj5HCo

 

 

 

08.11.2013 

Fragen zu Japan

 

Warum finden die Anleger Japan so interessant, obwohl es eine Verschuldung von ca. 240 Prozent des BIPs besitzt, und bei dem geringsten Zinsanstieg am Rande einer Pleite ist? Was passiert mit dem japanischen bond - Markt, wenn die gigantische Gelddruckorgie der Bank of Japan endet? Und was passiert mit dem Yen, wenn sie nicht endet? Wie will Japan die notwendigen Energieeinfuhren bezahlen, wenn der Yen nichts mehr wert ist?

Obendrauf kippt dort die Demografie, so dass für mich ein Engagement in diesem Land einfach nicht in Frage kommt, ganz gleich, wenn in diesem Fall sogar von mir sehr geschätzte Experten eine andere (positive) Meinung hierzu haben.

Würde man als Japaner in einer solchen Situation wirklich Yen - Guthaben halten wollen? Wohl kaum. Aber was dann? Im Falle einer unkontrollierten Yen - Abwertung käme es wohl unweigerlich zu einer Kapitalverkehrskontrolle. Ob Goldkäufe in so einer Situation dann dort noch erlaubt / durchführbar wären, darf bezweifelt werden, denn dies würde die Handelsbilanz weiter verschlechtern, und daher wohl behindert (Steuern) oder verboten werden. Bliebe für die Japaner noch der heimische Immobilienmarkt und der Aktienmarkt, um die bedruckten Yen - Zettelchen wenigstens vor dem Komplettzerfall zu retten. Tatsächlich könnte der japanische Aktienmarkt dann in die Höhe schnellen. Es ist nur die Frage, ob sich die Experten das so gedacht haben, die eine Kurssteigerung am jap. Aktienmarkt prognostizieren.

 

 //youtube.com/watch?v=oQIKcS2OUpA

 

 

 

14.10.2013  

Goldausblick 

 

Mit der Trendfolge bei der Geldanlage an den Kapitalmärkten ist es so eine Sache. „The trend is your friend“, heißt es, und sicher ist da einiges dran. Grundsätzlich läuft es ja so: Nach einer Bodenbildung gehen die Kurse in einen Aufwärtstrend über, und steigen womöglich jahrelang langsam an. Am Ende steigt die breite Masse ein, der langsame Anstieg beschleunigt sich durch die Sorglosigkeit und Gier des Publikums, und die Kurse steigen schließlich weitaus höher als man es sich jemals vorstellen konnte. In so einer Euphoriephase ist am Ende quasi jedermann vollständig investiert. Niemand hat mehr freie Liquidität für neue Käufe, und so bröckeln die Kurse langsam ab, bevor der Fahrstuhl dann schließlich schneller nach unten fährt. So war es immer, und so wird es immer bleiben. Wenn man um diesen grundsätzlichen Mechanismus weiß, kann man ihn natürlich nutzen. Dennoch sollte man sich seine Gedanken machen.

Denn wenn etwas stark im Kurs gestiegen ist, ist es teurer geworden, und wenn etwas stark im Kurs gefallen ist, ist es billiger geworden. Auf dem Wochenmarkt würde schließlich niemand auf die Idee kommen, mehr Gemüse und Früchte zu kaufen, weil der Preis gestiegen ist. Nach dieser verqueren Logik verfahren aber mehr und mehr Marktteilnehmer an den Börsen. Nachgedacht wird vielfach nicht mehr, es werden stumpf irgendwelche Tabellen angelegt, und anschließend diejenigen Aktien gekauft, die schon am meisten gestiegen sind. Was das Unternehmen macht, und wie die Aktie bewertet ist… egal.

Am Goldmarkt sieht es ganz ähnlich aus, aber im umgekehrten Sinne. Gold ist schlecht gelaufen, Goldminenaktien noch schlechter, also RAUS damit aus dem Portfolio. Die Kurse sinken weiter, die Verunsicherung bei den Goldanlegern steigt weiter und deshalb wird weiter verkauft.

Dabei wird weltweit Geld gedruckt, als gäbe es kein Morgen mehr. In den USA 85 MRD USD im Monat, und in Japan Yen im Wert von ca. 70 MRD USD. „Tapering“, also ein Zurückfahren des Ganzen? Abgeblasen. Konjunktur immer noch zu schwach, und abgesehen davon hatte sich der Zins für 10 - jährige Anleihen in den USA alleine durch die Debatte hierüber von ca. 1,5 Prozent auf 3,0 Prozent fast verdoppelt. Einen Anstieg der Zinsen kann sich die hochverschuldete USA (Schuldenobergrenze bald wieder erreicht) nicht mehr leisten, ganz zu schweigen von Japan, die bei 240% - BIP - Verschuldung quasi scheintot dahin vegetieren. Ein Zurückfahren des Gelddruckens wird es also nie geben. Es ist nicht mehr möglich. Der bondmarkt hat mit der Verdopplung des Zinsniveaus (zugegeben von tiefstem Niveau aus) ganz klar „stop“ gerufen, und die Kontrolle übernommen. Beziehungsweise andersrum: Die FED hat die Kontrolle über den bondmarkt bereits verloren.

Allmählich sollte es dem Dümmsten einleuchten (schon wieder so eine grundsätzliche, unumstößliche Tatsache): Wenn irgendwovon viel da ist, sinkt es im Preis. Wenn es eine gute Ernte gibt, sinken die Gemüsepreise, und wenn viel Geld gedruckt wird, sinkt dessen Wert. Früher oder später sollte es also zu einer Inflation kommen. Das viele gedruckte Geld wird man nicht mehr in die Flasche zurückbekommen. Und dann? Theoretisch müsste man die Zinsen erhöhen…. aber….

Richtig. Dies ist nicht mehr möglich, da ansonsten die Schuldner kollabieren. Ein Verfall der Papierwährungen ist somit kaum noch aufzuhalten. Und Gold? Grundsätzlich halte ich nichts davon, denn es ist ein sinnloses Stück Metall ohne Nutzen. ABER es kann nicht gedruckt werden, und seit 5000 Jahren kann man damit bezahlen, so dass anzunehmen ist, dass dieses Paradigma nun auch noch ein paar weitere Jahre gelten wird, und eine Wertaufbewahrung hiermit noch am ehesten gelingen kann.

So schlicht und ergreifend diese Logik auch sein mag, Fakt ist, dass der Goldpreis in den letzten zwei Jahren deftig gefallen ist.

Nun stellt sich die Frage, ob denn damals, bei einem Goldpreis von gut 1900 USD, die Euphorie bereits so groß war, dass die breite Masse schon investiert ist. Klar, auf den Titelseiten der Börsenblättchen gab es riesige Goldschlagzeilen, Gold - to - go - Automaten wurden erfunden, An- und Verkaufsläden schossen wie die berühmten Pilze aus dem Boden, und auf Edelmetallmessen schlenderten nicht mehr nur versprengte nerds umher, sondern ganz normale Leute. Doch haben wirklich auch die „kleinen Leute“ ihre Sparbücher geplündert und in Panik ein paar Gold- oder Silbermünzen geordert? Waren die Gold „An- und Verkaufsläden“ wirklich auch Verkaufsläden, oder nicht doch eher reine Ankaufsläden, in denen von Oma geerbter Schmuck und deren Notreserven in Papiergeld umgetauscht wurde, um „vom hohen Goldpreis zu profitieren“?

Richtige Angst gab es noch nicht, reichte doch ein Lippenbekenntnis zweier Politiker („die Spareinlagen sind sicher“) zunächst aus, um die Wogen zu glätten. Dies dauerte zwar nicht lange an, denn der Markt begnügte sich anschließend nicht mehr mit irgendwelchen Rettungsschirmen, bei denen Lahme für Fußkranke gegenseitig haften (und die cleveren Finnen auch noch ausscherten, während die Deutschen ja gar nicht schnell und umfangreich genug haften können, so scheint es). Erst Draghis „whatever it takes“ konnte die Lage beruhigen, denn die paar Milliärdchen aus den Rettungsschirmen verpuffen im Ernstfall doch wie Wasser auf einem heißen Stein.

Fazit: Die Staatshaushalte sind weltweit de facto ruiniert, einzig durch Gelddrucken ist die Lage noch nicht eskaliert. Die Kontrolle über die bondmärkte haben die Zentralbanken aber bereits verloren, einzig ein geringer Hinweis, man könnte die Gelddruckaktivitäten etwas zurückschrauben, führte zu einem rasanten Anstieg des Zinsniveaus von 1,5 auf 3,0 Prozent bei den zehnjährigen US – bonds.

Kommt es zu Inflation, und dies wird früher oder später passieren, ist ein Zinsanstieg tödlich, und von den Zentralbanken nicht aufzuhalten, angesichts der schieren Größe des Anleihenmarktes. Das Gelddrucken verlagert einzig die Probleme in die Zukunft und löst sie nicht. Gold und Goldminenaktien haben also durchaus ihre Berechtigung. Die finale dritte und letzte Phase der Goldhausse mit senkrechten Anstiegen steht noch aus.

 

 

http://www.chilloutzone.net/video/hat-christian-wetklo-schlechte-laune.html

 

 

 

09.09.2013

 

Börsenausblick

 

Irrational ging es an der Börse immer schon zu. Ende der Achtziger Jahre schielten die Börsianer regelmäßig auf die Veröffentlichung der Handelsbilanzzahlen der USA. Je nach Ausfall stieg oder fiel der Dollar postwendend ein oder zwei Pfennig zur Mark, mit in der Folge Auswirkungen auch auf die anderen Märkte. Seit Jahren nun guckt kein Mensch mehr auf diese Zahlen, sondern die Arbeitsmarktzahlen sind es, die über kurzfristiges Wohl und Wehe an den Märkten entscheiden. Melden sich mal zwanzig oder dreißigtausend Leute mehr arbeitslos als erwartet (bezogen auf 314 Millionen Amerikaner ein Witz), klicken die trader je nachdem auf buy oder sell, und die Börsenkommentatoren haben wieder was zu berichten.

Neuerdings sind es nun die Protokolle der FED - Sitzungen, die die Zocker in Ekstase versetzen. Die Texte werden gescannt, ob sich irgendein Sitzungsteilnehmer hinsichtlich einer Drosselung des Tempos des Gelddruckens geäußert hat, und anschließend wird hektisch hin und her gehandelt.

 

Mittlerweile wird ein Volumen von unglaublichen 85 Mrd USD pro Monat gedruckt, mithin also eine gute Billion USD pro Jahr (= 1.000.000.000.000 => eine Million Millionen). Es sollte einleuchten, dass es ohne nachfolgende Kollateralschäden (Fehlallokationen / Inflation) so nicht weiter gehen kann, und je eher man das Volumen zurückfährt oder ganz stoppt, desto besser. Die FED erklärte zudem, so lange expansiv bleiben zu wollen, bis die Arbeitslosenquote auf ca. 6,5 Prozent gedrückt ist. Was ist also so schlimm daran? Geht es der Wirtschaft gut, wird das Drucken gedrosselt, aber es geht der Wirtschaft dann ja gut. Geht es ihr nicht gut, wird gedruckt und die Märkte können weiter ihre Liquiditätssause feiern.

Einen schockartigen „kalten Entzug“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Entzug ) wird es also nicht geben. Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang auch, dass die Japaner seit diesem Frühjahr ebenfalls den Gegenwert von ca. 60 Mrd USD Monat für Monat drucken. Auch dies erhöht die Weltliquidität in ganz erheblichem Ausmaß.

 

Apropos Protokolle. Es wurden in jüngster Zeit Stimmen laut, die auch von der EZB die Herausgabe von Sitzungsprotokollen forderten, um „Transparenz“ zu schaffen, damit „Marktteilnehmer nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden, und die Gefahr heftiger Turbulenzen an den Börsen kräftig sinkt“. Ja, wo sind wir nur hingekommen? Was wollen denn die Herren Volkswirte dieser Welt damit? Wollen sie ernsthaft Konjunkturprognosen danach erstellen, ob Wörter wie „akkomodierend“ oder Phrasen wie „noch längere Zeit“ dort auftauchen, anstatt selber sauber den Datenkranz zu analysieren? Und was ist so schlimm daran, wenn die Börsen mal paar Prozent in die eine oder andere Richtung schwanken? Nur so kann doch der Respekt vor dem Markt aufrecht erhalten bleiben, ganz abgesehen davon, dass Zinssatzänderungen eh nur noch in quasi vorangekündigten „Trippelschritten“ (0,25 Prozentpunkte) erfolgen, anstatt wie damals immer als satte halbe Prozentpunkt - Änderung. Auch kann eine Äußerung wie „die Zinsen werden noch eine längere Zeit auf tiefem Niveau bleiben“ schnell im Lichte neuer Ereignisse Makulatur werden. Was, wenn die Inflation auf einmal stark anzieht? Dann nicht gegensteuern, einzig um die Berechenbarkeit zu gewährleisten? Ein Stück aus dem Tollhaus.

 

Schuldengrenze USA

Mitte Oktober ist sie mal wieder erreicht, die regelmäßig angehobene US - Schuldengrenze. Bei 17 Billionen USD liegt sie diesmal. Ein Wahnsinn, bedenkt man, dass die Verschuldung im Jahr 2000 „gerade einmal“ bei 5 Billionen USD lag. An Einsparungen oder kurzfristig schmerzende Strukturreformen verschwendet die Politik keinen Gedanken, die FED kann ja Anleihen aufkaufen und die Staatsverschuldung per Druckerpresse finanzieren (ob sie bereits ausgegebene Anleihen am Markt kauft oder direkt dem Staat das Geld gibt, spielt ja keine Rolle). Anleihen im Wert von knapp drei Billionen USD sollten sich bereits in der Bilanz der FED auftürmen. Man fragt sich, wo das US - Zinsniveau ohne diese Marktmanipulation (nichts Anderes ist es letztlich) stünde. Die Amerikaner wären längst pleite, und im Grunde macht sich die FED einer Insolvenzverschleppung schuldig. Die Ratingagenturen pappen dennoch weiterhin ihr bestmögliches Siegel auf die Anleihen, da die Nominalwerte via Druckerpresse immer bedient werden können. Was so eine Möglichkeit wert ist bzw. wohin so eine Logik führt, sollte man dann aber mal einen Einwohner Simbabwes fragen.

 

Gedankenspiel zur FED - Bilanz

Was passierte wohl, wenn die FED einfach hinginge und die angekauften Anleihebestände von ca. 3 Billionen USD einfach für null und nichtig erklärte und wertlos ausbuchte? Das Problem eines Schuldenschnitts ist ja immer, dass dies gleichzeitig ein Guthabenschnitt ist, und die Gläubiger (Banken, Versicherungen, Pensionskassen usw.) dadurch in die Bredouille geraten. Gläubiger gibt es in diesem Falle ja nicht, denn es ist die FED, die die Anleihen hält, die die Schulden ja anstrengungslos per Knopfdruck via Druckerpresse aufgekauft hat. Niemand erleidet einen Schaden, und die Staatsverschuldung wäre in einem Handstreich um ein paar Billionen abgesenkt. So einfach wie genial? Was würde die (Finanz-)Welt wohl dazu sagen?

 

Neben dem genannten „tapering“ und dem Erreichen der US - Schuldengrenze seien einige weitere Belastungsfaktoren für den Aktienmarkt kurz genannt:

 

-          „der September ist zumeist ein schwacher Börsenmonat“

-          „die Hausse ist historisch gesehen schon recht alt“

-          „die Bewertungen der Unternehmen sind im Zuge der langen Hausse schon recht luftig, die KGVs infolge der Liquiditätsflutungen durch die Zentralbanken historisch betrachtet sehr hoch“

-          „die Gewinnmargen der Unternehmen befinden sich bereits auf Rekordniveau, eine weitere Steigerung ist kaum möglich“

-          „der Markt ist in sich zerrissen, einige Werte notieren auf Allzeithoch, während andere nahe den Tiefstständen notieren. So ein Hindenburg - Omen - Phänomen“ gab es auch im Crashjahr 1987“

-          „Die Syrienkrise kann sich zu einem Flächenbrand ausweiten“

-          „Länder mit Zahlungssbilanzproblemen wie Indien, Indonesien, Brasilien oder Türkei kommen allmählich in Bedrängnis“

-          „Die Bundestagswahl steht an, danach werden einige Leichen zum Vorschein kommen“

-              „Das Urteil des Bundesverfassungsgericht zur Rechtmäßigkeit des ESMs steht noch aus“

 

 

Demgegenüber gibt es aber auch einige positive Dinge:

 

 

Stimmung

Eine Hausse stirbt in der Euphorie, und davon ist weit und breit nichts zu spüren, obwohl die Kurse in der Nähe ihrer Rekordstände notieren. Eher sind Stimmen zu vernehmen, die einen crash befürchten („es sieht ähnlich aus wie 1987“). Aktien werden als gefährlich angesehen, sie sind weit davon entfernt, als hippes Partygesprächsthema herzuhalten, und Neuemissionen gibt es so gut wie keine. Letztens las ich zudem ein Interview mit Roland Leuschel (Dauerpessimist). Solange solche Leute noch aus der Mottenkiste gezogen werden (in der sie doch so gut lagerten), sollte eigentlich nicht viel passieren können.

 

big rotation

Die Bondhausse der letzten 30 Jahre scheint beendet. Die Zinsen werden tendenziell in den nächsten Jahren eher steigen, und von daher scheidet der Anleihemarkt als Ort aus, an dem man seine Erlöse aus den Aktienverkäufen anlegen kann. Zehnjährige Bundesanleihen bieten kaum zwei Prozent Rendite, und spätestens nach Steuern und Inflation kassiert man real ein Minus.  Aktien solide finanzierter Unternehmen wie Fielmann bieten hingegen auch nun noch eine Dividendenrendite von annähernd vier Prozent. Es mag ja sein, dass Aktienkurse kurzfristig heftiger schwanken. Doch über einen Zeitraum von zehn Jahren sollte man mit einem Korb aus soliden Dividendenzahlern weitaus besser bedient sein, als mit Anleihen, bei denen auch ein Zahlungsausfall einkalkuliert werden muss. Selbst Deutschland reißt die Maastricht - Kriterien zB deutlichst (Schuldenstand derzeit ca. zwei Billionen Euro, somit ca. 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erlaubt sind ja nur 60 Prozent). Dazu die demographische Entwicklung (umlagefinanziertes Rentensystem, explodierende Kosten im Gesundheitswesen), die implizite Staatsverschuldung (Beamtenpensionen usw., ca. 4 Billionen) und die ESM - Haftung.

 

Unternehmensliquidität

Viele Unternehmen sitzen auf Bergen von cash, was nun zunehmend eingesetzt wird, sei es in Form von Dividendenausschüttungen, Aktienrückkäufen, Investitionen oder Übernahmen (msft <-> Nokia, verizon <-> US - Geschäft vodafone)

 

Asien

Asien wird langfristig weiter auf Wachstumskurs bleiben. Erst jüngst „garantierte“ zB die chinesische Führung ein Mindestwachstum von 7 Prozent.

 

EZB

Die EZB wird absehbar weiterhin expansiv bleiben und zur Not den Euro „whatever it takes“ retten.

 

Schiefergas

Die USA können dank niedriger Energiepreise an internationaler Wettbewerbsfähigkeit gewinnen, und entlasten zudem ihre Zahlungsbilanz.

 

 

Fazit:

FED, EZB und die Bank of Japan stehen weiterhin auf dem liquiditätspolitischen Gaspedal, solange die Konjunktur nicht in die Gänge kommt. Einen unkontrollierten Zerfall der Eurozone wird es dank des Draghi - Versprechens („whatever it takes“) darüber hinaus nicht geben. China "garantiert" sieben Prozent jährliches Wachstum. Das Sentiment ist nicht überbordend optimistisch.

Aber es ist September. Es hört sich komisch an, jedes Jahr ist September und wenn jedermann einen Kursrückgang befürchtet, tritt er ja in 99 Prozent der Fälle nicht ein. Sollte es dennoch einen kurzfristigen Rumpler Richtung 7500 Punkte im DAX geben, wäre dies vermutlich eine gute Einstiegsgelegenheit. Da steigende Zinsen Wachstumsunternehmen eher benachteiligen (abdiskontierte Gewinne heute weniger wert), sollten krisenresistente value / Dividenden - Werte mit geringer Verschuldung oder gar Nettokasse bevorzugt werden.

 

 

In eigener Sache:

Da ich die domain www.effektenscout.de abgeben musste, und die Ersatzdomain www.konglomeratsaufschlag.de vielleicht nicht ganz so gut zu merken ist, habe ich mir neuerdings www.boerseundhumor.de gesichert.

 

Damit dieser nicht ganz zu kurz kommt, hier

 

Rick Santellis Ausraster:

 

//youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=NO42dEN1tT0#at=136

 

 

 

 

 

 

05.06.2013

 

Nordic walking mit Fahrradhelm

 

Es ist gediegen.

(wikipedia: „Vor allem in Norddeutschland findet sich eine weitere von der niederdeutschen Sprache herrührende, eher negative Bedeutung. Dort wird gediegen auch im Sinne von merkwürdig, seltsam, unheimlich oder unverständlich gebraucht.“)

Da knackt der DAX nach 13 Jahren sein Allzeithoch, doch anstatt Appetit auf die Börse zu bekommen, fristet der Durchschnittsdeutsche sein Anlegerdasein lieber abseits des Aktienmarktes und mag kein Vertrauen in die Aktie fassen. Zu tief wirken die Erschütterungen der zweimaligen Kurshalbierungen seit der Jahrtausendwende wohl noch nach. „Bloß kein Risiko“ lautet die Devise, und so werden die Ersparnisse weiterhin in Bundesanleihen belassen, obwohl hier die Rendite nach Abzug der Inflationsrate negativ ist, und Kursverluste in der mittelfristigen Sicht hochgradig wahrscheinlich sind. Auch ist die Rückzahlung der Anleihen angesichts einer Staatsverschuldung von zwei Billionen Euro (und einer zusätzlichen impliziten Verschuldung in doppelter Höhe) alles andere als sicher. Gratis dazu gibt es den bevorstehenden demographischen Wandel, der sehenden Auges ignoriert wird, und die daraus resultierenden Probleme, die dann ganz plötzlich und unerwartet da sind (umlagefinanziertes Rentensystem / explodierende Kosten im Gesundheitswesen usw).

Die Hausse stirbt in der Euphorie, heißt es, und eben davon ist derzeit nichts zu spüren.

Kauft man Anteilsscheine an Unternehmen (vulgo „Aktien“), ist man der böse, gierige Spekulant. Im selben Atemzug wird dann gerne die sich ausweitende Schere zwischen arm und reich beklagt, anstatt sich selbst an Deutschlands vorzüglichen Unternehmen zu beteiligen. Sicherlich gibt es immer noch gravierende realwirtschaftliche Probleme und jede Menge Unsicherheit, aber das ist eben der Preis für die derzeitige (immer noch) recht günstige Aktienbewertung. „Sicherheit“ und günstige Aktienbewertungen gleichzeitig gibt es eben nicht.

EIGENTLICH ist es ganz einfach. Sollte der DAX die 10000 Punkte - Marke erreichen, wird die breite Masse langsam Mut fassen und vorsichtig in den Aktienmarkt einsteigen. Bei 15.000 Punkten dann aggressiv, und anschließend krachts dann wieder nach unten. Alles wie immer, oder um es mit Kostolany zu sagen, „an der Börse wird immer das gleiche Theater gespielt, nur die Schauspieler wechseln.“

Man mag es nicht mehr hören, aber es stimmt ja trotzdem: Der Anleihemarkt fällt als Alternative aus. Die „big rotation“, also die Umschichtung aus dem Anleihemarkt in den Aktienmarkt, hat gerade erst begonnen. Viel spricht immer noch für einen gestaffelten Einstieg in den Aktienmarkt (z.B. Kauf einer halben Position und anschließend Nachkauf, wenn der Wert ins Plus gelaufen ist).

Da mit einem Fehlausbruch aber nicht zu spaßen ist (bei einem DAX - Stand unter ca. 8000 Punkten wird es ungemütlich, unter 7500 Punkten sollte man sich wohl von seinen Engagements verabschieden), empfiehlt es sich, auf der Hut zu sein. Mit diesen knapp zehn Prozent Kursrisiko kann man locker leben, die Wahrscheinlichkeit weiterer deutlicher Kursgewinne liegt demgegenüber aus meiner Sicht deutlich höher.

 

 

 

03.05.2013:

 

 

Was machen die Anderen?

 

An der Börse dreht sich alles um die Beantwortung dieser Frage. Man muss nicht nur abschätzen, welche Nachrichten zukünftig eintrudeln werden, sondern auch, wie die Anleger auf diese Nachrichten reagieren werden.

Derzeit lautet das Motto: Je schlechter die veröffentlichten fundamentalen Nachrichten ausfallen, umso freundlicher die Kursreaktion an der Börse, da die Zentralbanken dieser Welt dann die Liquiditätsschleusen weiterhin sperrangelweit geöffnet lassen.

Negative Nachrichten werden weiterhin locker geschluckt. So führte die Ankündigung, Guthaben von mehr als 100.000 Euro bei einer Bankpleite mit in die Haftung nehmen zu wollen genausowenig zu Kursrückgängen an den Aktienmärkten (es hätte locker einen bankrun von verängstigten Sparern geben können), wie die Ankündigung einer Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank. Relativ geräuschlos konnten sich auch die RTL Group und Evonik ein paar Milliarden Euro bei den Anlegern besorgen. Letztere hatten den Börsengang zuvor zweimal verschieben müssen.

Nun könnte man aufgrund fallender Rohstoff- und Edelmetallpreise Ängste vor deflationären Tendenzen haben, wobei ausgerechnet eine stark rotierende Druckerpresse in Japan diese befeuern würde, so wird argumentiert. Die Japaner können aufgrund des schwächeren Yens billig ihre elektronischen Geräte und Autos auf den Weltmärkten anbieten, wodurch sich die Konkurrenten in der Folge ebenso zu Preissenkungen genötigt sehen würden. Die Gewinnmargen der Unternehmen sänken, damit die Unternehmensgewinne und somit letztlich die Aktienkurse. Auch die Kurse der Anleihen müssten bei Deflationsgefahren sinken, steigt doch das Ausfallrisiko. Doch Aktien- wie Anleihemärkte notieren weltweit völlig unbeeindruckt in der Nähe ihrer Jahreshochs.

Wie man es auch dreht und wendet: Die monetäre Flutung überlagert derzeit alles andere, und solange hier kein Ende in Sicht ist, wird es so bleiben.

Die Zinsen sind weltweit auf historisch tiefem Niveau, so dass nach Abzug der Inflationsrate letztlich eine negative Verzinsung zu Buche schlägt. Spätestens wenn eine alte, noch höher rentierliche Anleihe ausläuft, stellt sich die Frage, ob man dem Anleihemarkt treu bleiben möchte, oder ob man auf verlässliche Dividendentitel mit funktionierendem Geschäftsmodell setzt. Darüber hinaus werden Besitzer von Bankguthaben über 100.000 Euro sich überlegen müssen, was sie mit ihrem Geld machen, ist es doch bei einer Bankpleite nicht mehr geschützt. Auch sie dürften einen Teil ihrer Ersparnisse in den Aktienmarkt umlenken. Es steht zu vermuten, dass die breite Masse der Deutschen auch dieses Mal den Zug verpasst, und erst dann den Mut für einen Einstieg in den Aktienmarkt findet, wenn der größte Teil des Kursgewinn - Kuchens schon verspeist ist. Knackt der DAX sein historisches Hoch bei rund 8150 Punkten, wird es erst richtig lustig, denn dann wollen alle zur selben Zeit durch dieselbe Tür in den umsatzarmen deutschen Aktienmarkt einsteigen. Ein Stand von 10.000 Punkten im DAX, wie zu Jahresbeginn bereits vermutet, scheint weiterhin erreichbar.

 

 

 

 

 

 vom 07.03.2013:

 

 „money matters“ - Börsen vor Neubewertungsprozeß

 

„Auf die Geldmenge kommt es an“, erklären uns die Monetaristen. Die wichtigsten Zentralbanken treten weltweit das Gaspedal weit durch bzw. stehen Gewehr bei Fuß, um nötigenfalls ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen.

 

Die Japaner verkünden ganz offen, den Yen schwächen zu wollen, um so ihre Exportwirtschaft zu stimulieren. Gleichzeitig sind sie vermutlich nicht ganz unglücklich über die dadurch verteuerte Rechnung für ihre Importe, um endlich der wie Mehltau über dem Land liegenden Deflation zu entkommen.

 

EZB – Chef Draghi hat den Erhalt des Euros („whatever it takes“) verkündet, und lässt die südeuropäischen Schuldenstaaten nicht hängen. Selbst nach der Wahl in Italien, bei der die Wähler einer weiteren Reformpolitik de facto eine Absage erteilten, verkündete er, im Krisenfall Geld zu drucken und italienische Anleihen aufzukaufen (indirekt über die italienischen Geschäftsbanken, die sich zu fast null Prozent bei der EZB Kredite ziehen können und damit dann italienische Staatsanleihen kaufen). Bisher wurde das Aufkaufen von Anleihen immer an ein Weiterverfolgen der Reformpolitik geknüpft.

 

Die FED hat bereits für mehr als 2500 Milliarden Dollar Anleihen gekauft, und monatlich werden es 85 Milliarden mehr. Das Gelddrucken in den USA habe nichts gebracht, heißt es häufig, die Arbeitslosenzahlen seien nicht großartig gesunken. Die Frage ist jedoch vielmehr, was passiert wäre, hätte die FED die Anleihen nicht gekauft. Amerika wäre längst pleite, und die Welt vermutlich in einer deflationären Abwärtsspirale. Die FED kündigte an, solange Geld drucken zu wollen, bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent sinkt (wobei gleichzeitig die Inflationsrate auf Sicht von ein bis zwei Jahren nicht höher als 2,5 Prozent liegen solle).

 

Solange die monetäre Situation weltweit so expansiv bleibt, und der Markt die Flutung mit Papiergeld nicht mit steigenden Inflationserwartungen quittiert, sollten die Börsen weiterhin Rückenwind erfahren. Eins ist sicher: Irgendwann werden die Inflationserwartungen und die Inflation wieder steigen. Deftige Kursverluste am Rentenmarkt sind dann quasi garantiert, gerade vor dem Hintergrund des derzeit völlig überzogenen Kursniveaus. Wenn irgendwo eine Blase existiert, dann sicher nicht am Gold- oder Aktienmarkt, sondern am Rentenmarkt. Wann genau die heiße Luft hier entweicht, kann niemand seriös vorhersagen. Eine Baisse beginnt immer erst dann, wenn die Kurse schon ein gutes Stück gefallen sind. Investoren werden sich aber spätestens bei Fälligkeit ihrer jetzigen alten, noch hoch verzinsten Anleihen fragen, ob man das Geld zu Mikrozinsen in neue Anleihen tauscht, ODER eben in den Aktienmarkt fließen lässt, wo Dividendenrenditen von 3-4 Prozent selbst bei erstklassigen Werten geboten werden. Sollten wirklich düstere Zeiten auf uns zukommen (es steht zu vermuten…), ist es auch egal, ob man sein Geld in Aktien oder in DERZEIT als sicher angesehenen Anleihen investiert hat. Tendenziell besser erscheinen Aktien von Unternehmen, die ihre Produkte auch in der tiefsten Krise verkaufen können.

 

Aus Mangel an Anlagealternativen und vor dem Hintergrund von weltweit ausreichend zur Verfügung gestellter Liquidität, dem Treibstoff der Börse, sollten die Aktienmärkte weiter nach oben tendieren. Negative Nachrichten wie ein downgrade der Ratingagenturen für GB, die Steuerbelastungsgeschichte in den USA, oder auch die Rekordarbeitslosigkeit in Europa werden komplett ausgeblendet. Ein Zeichen für die Robustheit des Marktes. Über dem Allzeithoch im DAX bei ca. 8150 Punkten werden die Charttechniker auf den Plan treten und eine neue Stufe der seit 2009 andauernden Hausse zünden. Nach zwei heftigen Baissen in den letzten 13 Jahren ist kaum jemand übermäßig am Aktienmarkt investiert, und steigende Kurse haben noch immer das Publikum angelockt.

Als i-Tüpfelchen quillen die Kassen der Unternehmen über, die diese aus Furcht vor wirtschaftlichen Unbilden vorsichtshalber prall gefüllt haben. Mit diesem Geld können sie nun allmählich ihre Dividende erhöhen, eigene Aktien zurückkaufen oder andere Unternehmen schlucken. Ein DAX – Stand von 10000 Punkten oder darüber sollte daher im Jahresverlauf nicht überraschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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